2010

2010

27. Dezember 2010

Ein Jahr geht zu Ende. Es war ein kreatives Jahr, in dem ich viel gelernt habe. Menschen sind immer wichtiger als Visionen. Es ist nicht immer leicht, operativ auszuführen, zu managen und aktiv umzusetzen, was man als Vision in sich trägt. Der Roman ist unterwegs zu Verlagen. Es war noch mal sehr viel Arbeit, ihn zu bearbeiten. Ich bin froh und dankbar für meinen Lektoren, Professor aus Heidelberg. Deswegen und wegen den vielen Konzerten habe ich den Abgabe-Termin meiner Magisterarbeit vom 20.1. auf den 1. März verschoben. Schreibt man so viel, ist es nicht leicht, aus dieser Welt wieder in die Realität zurückzukehren. Die Wissenschaft ist eine so andere Sparte als Lyrik und Belletristik. Für den Auftritt im Omnibus probe ich mit einer Band, und das ist wirklich spannend und noch mal eine ganz andere Welt, mit Schlagzeug, Bass, Keys, E-Gitarre zu proben.

8460497e5e5762bb580a6c7b464df328-img

16. Dezember 2010

2 Stunden Aufnahmen am weißen Yamaha für Bibel TV, Beethoven, Chopin, Bach, Piano Improvisationen & Liturgie, schon um elf Uhr früh, ziemlich früh, danach Talk mit Heiko Bräuning, alles gut gelaufen, während ringsum Schneegestöber tobte. Das Filmteam und der Soundmann (lLivesound) aus Herrenberg, Leipzig und Pforzheim waren super nett, das Hotel, das Essen und selbst das Taxi, ein Benz mit Rückenheizung, sehr angenehm.

15. Dezember 2010

Morgen Fernsehgottesdienst, heute PianoSongs im Peppino, stehe heute mit Interview in der Zeitung Charisma. Habe Muskelkater von der Reitstunde, kann mich kaum bewegen. Es trifft mich immer noch, wie Michael Jackson gestorben ist. Er war ein Künstler durch und durch.

12. Dezember 2010

Vorgestern Konzert im Martin Luther Saal in Würzburg mit Philipp Hagemann, Cello. Die Heizung fiel kurz vorher aus. Es ist anstrengend für mich, zwischen Klassik und meinen eigenen Liedern hin und her zu pendeln, auch im Programm, da es zwei so völlig unterschiedliche Dinge sind. Gestern Abend sang ich im Theater im Extra-Chor, vor uns saß das gesamte Orchester, speziell das Schlagwerk. Es war wirklich schön, laut und bombastisch mit Wagner. Viel regionale Prominenz im Publikum.

cf26186a1753ac0dd30d71351b3025e8-img

8. Dezember 2010

Das Konzert in Ravensburg/ Wilhelmsdorf lief wunderschön, der Saal war weihnachtlich geschmückt um den schwarzen Yamaha Flügel. Das Hotel war auf einem Berg, ich konnte die Schweizer Alpen und den Bodensee sehen, im Nebel, in der Sonne, im Schnee. Die Zieglerischen Diakonie-Werke hatten zum ersten Mal ein klassisches Konzert, erzählte mir Heiko Bräuning. Dennoch liebten die Leute besonders meine Piano Improvisationen. Kurz vorher hatte ich einen Spreisel ausgerechnet in die rechte Zeigefinger-Fingerkuppe gerammt, aber wir bekamen ihn raus. Ich hätte sonst nur schmerzvoll spielen können. Nächste Woche spiele ich dort im Fernsehgottesdienst an einem weißen Yamaha neben einem riesigen grünen Tannenbaum, und im Weihnachtskonzert.
Ann zu Gast bei Wert(h)e Gäste ERF Interview ganz

5. Dezember 2010

Konzerte im CVJM, Schröder-Haus Würzburg, Philadelphia Verein Leonberg. Und viel Schnee.

8aee96e2db2c2ba07d11433e5c339871-img

2. Dezember 2010

Konzerte im Omnibus Würzburg, Leonberg und nächste Woche Wilhelmsdorf bei Ravensburg. Ich freue mich besonders auf die Stillen Adventstage in Leonberg. Am meisten schalte ich neben der Magisterarbeit beim Chorsingen im Theater, auf dem Reiterhof oder beim Schreiben ab.

25. November 2010

Ausschnitt zum ERF Fernsehstudio-Interview mit Jürgen Werth. Am 3.12. ist es ganz zu sehen im ERF TV oder im Internet. Bin nun Mitglied bei der Gema und der GVL, wurde auch Zeit. Am 10.12. spiele ich meine Lieder wieder mit Cello und Drums, freu mich darauf, in der Martin Luther Kirche Würzburg.

21. November 2010

Es war sehr viel los in letzter Zeit. Vorgestern sang ich Wagner im Extrachor des Mainfranken-Theaters, gestern hatte ich ein Konzert mit meinen PianoSongs und dem Cellisten Christian Schumacher im Cafe Rossis in Würzburg — was für mich, die hauptsächlich an Säle und Flügel und Chopin gewöhnt bin, eine Umstellung ist. Eigenen Lieder sind eine ganz andere Welt. Mit Cello ist es schön zu spielen, passt gut zu Piano & Voice. Meine Magisterarbeit über Bach/Rheinberger/Reger neigt sich am 20. Januar 2011 dem Ende zu; heute spiele ich in der Martin-Luther-Kirche und habe eine kleine Bandsession nachmittags.
Ich glaube, dass in allem, was Kunst und Wissenschaft angeht, das Paradoxe, Geheimnisvolle, Unerklärliche und Ausnahmemäßige eine große Rolle spielt. Denn Wissenschaft, zumindest Geisteswissenschaft, oder zumindest Musikwissenschaft, hat paradoxerweise größtenteils wenig mit Logik zu tun und gerät schnell an Grenzen. Wie lässt es sich sonst erklären, dass der sobenannte ‚Dorftrottel‘ Anton Bruckner Symphonien schreibt, dass die Welt weint? Was für eine Logik ist es, dass das antike Musikdenken sich umkehrte zum progressiven und ein Symphoniker wie Bruckner von der so genannten absoluten Musik in die ‚Sparte‘ der Gesamtkunstanhänger und Wagnerianer rutschte? Wie lässt es sich erklären, dass ein solches, noch dazu unlogisches ästhetisches Gegensatzdenken bis heute Gültigkeit hat und sowohl Gesellschaft, Wissenschaft und Politik prägt?

9. Juli 2010

Konzert gestern an der UST (University of San Tomas) Manila, Chopin Ballade F-Dur, Beethoven Waldstein Sonate, Bach Goldberg Variationen, eigene Songs. Es war ein langes Konzert. Ich bekam standing ovations, der Saal war voll mit jungen Musikstudenten und Prof.s, ich habe CDs verkauft und ein wenig von mir erzählt. Es kommt mir so vor, als würde ich mich Bach und meinen Liedern wie eine goldene Spur hinterlassen, da dies so gut wie nie gespielt wird hier auf den Philippinen. Es freut mich, dass meine Musik auch in einem so fernen Land gehört und gemocht wird. Es ist schön, deutsche Texte zu hören und durch diese Großstadt von 16 Millionen Einwohnern zu fahren. Ich musste jedem eine Unterschrift auf ihr Programm schreiben (ich schrieb meinen neuen Lieblings-Psalm dazu, Psalm 68), was mich viel Zeit gekostet hat, und Fotos machen am Flügel. Heute spiele ich in Greenhills, es kommen Business-Leute, also ein ganz anders Publikum. Die Thai-Massagen zwischendurch sind einfach wundervoll.

168ea86a938d280fe8e9620081c6574e-img

7. Juli 2010

Heute badete ich das erste Mal im südchinesischen Meer, waren am Subic Bay, am Strand Camayan. Das Wasser war heiß wie aus einer Quelle, Wüstenberge um mich, ein paar dunkle asiatische Menschen im Wasser, bunte Fische, die einem aus der Hand essen, Palmen. Es war wunderschön, ca. 250 km von Manila entfernt. Nebendran der Regenwald mit Affen, die auf die Straße laufen oder in den Palmen sitzen. Wir assen gebratenen Reis aus einer Ananas und tranken frischen Mangosaft in Grün und Gelb und Kokosnuss-Saft, Buko-Saft genannt. Morgen spiele ich in der Makiling High School for the Arts Manila, die Schule ist auf einem Vulkan, aus dem heiße Quellen entspringen, daher spuckt er nicht, obwohl er brodelt. Das erinnert mich an mich. Meine heißen Quellen ist meine Kreativität. Ich erzähle den jungen Menschen aus meinem Leben, stelle meine Lieder und klassische Musik vor. Diese Woche spiele ich jeden Tag ein Konzert, Radio Interview, Improvisations — Seminar, Goldberg Variationen, freie Improvisation mit einem Saxofonisten, Uni, Goethe Institut.

Am Tag zu vor waren wir in Intramuros Manila (within the walls, denn es war eine Mauerstadt aus Sicherheitsgründen vor langer Zeit), besuchten die Amerikanische Post, Manila Cathedral, Augustin Church, Barbara's, fuhren Jeep, Pedicab (mit Fahrrad), Tricycle (mit Motorrad) und besuchten den Park Fort Santiago am Pasig River, früher ein Gefängnis-Komplex, in dem der nationale Held und politischer Schriftsteller Jose Rizal ermordet worden ist. Dort, wo sein Denkmal steht, spendete der Baum rote Blätter wie Blut, der Baum wird Feuerbaum genannt. Es war sehr symbolisch. Der Pasig River ist ein sehr schmutziger und romantischer Fluss. Kaum zu glauben, dass Honkong nur eine Stunde weg, Bali nur 3 Stunden und Australien nur 8 Stunden entfernt sind mit Flugzeug. Was ich nicht mag, ist das Fettige des Essens, Balot, das sind Eier, wo 16-Tage-alte Hühnchensäuglinge mitgegessen werden, und Pusit, das sind so etwas wie Tintenfische.


21fa47c233b401a7fa1f256215f13777-img


6. Juli 2010

Die Meisterklasse Klavier an der Universität Manila (UP= University of the Philippines) lief sehr gut, es war interessant, die Studenten der Klavierabteilung zu unterrichten, sie spielten Ravel, Chopin, Bach, Beethoven, Liszt. Das Niveau war mehr gehobenes Nebenfach. Der Saal hatte eine gute Klimaanlage. Manchmal ist es innen zu kalt gestellt und aussen zu schwül. Ich kann keine zehn Minuten draußen irgendwo warten, ohne dass ich von Mücken und Fliegen umzingelt zu sein scheine. Am Nachmittag unterrichtete ich dann Improvisieren. Es waren zu viele Studenten. Das ist so nicht effizient, denn die, die wirklich interessiert sind, werden abgelenkt. Die philippinischen Studenten verfielen oft in eine Mischung aus Tagalog und Englisch, es ist nicht immer leicht, sie zu verstehen, auch wegen dem Akzent. Es fehlt leider an allen Ecken und Enden an der Technik, obwohl die Musikalität absolut gegeben ist. Die Bezahlung der Profs. ist sehr gering hier im Vergleich zu Deutschland. Und dabei ist dies die beste Uni des Landes. Es waren auch nationale Instrumente in der Meisterklasse dabei: Kulintang A Tamlang, aus Bambus, Saronai, aus Metall, und Bungkaka, ein sogenannter Bambus Buzzer. Es wurde alles gefilmt. Diese Woche habe ich noch 2 Konzerte, letzte Woche waren es 3. Mein Programm ist Beethoven Waldstein Sonate, Chopin Balladen und Bach Goldberg Variationen, dazu Songs von mir. Sie weinen bei meinen Liedern.

4b39c7fd06fe88293252f426baae873f-img


2. Juli 2010

Heute zum Frühstück gab es Guava (in der Sprache hier rund um Manila, die Tagalog genannt wird, heisst Guava Bayabas) und die saure Frucht Santol, man isst hier viele saure Früchte mit Salz oder Zucker. Sogar Avocado wird hier mit Milch und Zucker gegessen! Pakwan, die Wassermelone, ist gelb, schmeckt aber wie unsere rote, sogar noch süsser. Ich schreibe gerade mit meinem eigenen macbook. Reis wird ununterbrochen gegessen, auch zum Frühstück, auch Suppe, wie z.B. die Misua Suppe mit Reisnudeln. Manila wird hier wie Manilla gesprochen, und Tagalog wird auf dem zweiten a betont, das letzte g nicht gesprochen. Gestern war trotz Rainy Season ein wunderschön sonniger Tag, wir besuchten den tropischen Park La Mesa Dam Ecopark mit tropischen Riesenbäumen, Tamarindenbäume und Dattelbäume und Pflanzen, Seen und einem Damm, von dem die ganze Gegend versorgt wird. Die stachelige grüne Frucht, die aussieht wie ein Kaktus, heisst Guyabano, und die Cousine von den Litschis ist die haarige Frucht Rambutan. All diese Früchte sind manchmal einfach am Strassenrand zu kaufen. Gestern ging ich auf dem tropischen Markt hier in Greenhills verloren, alles sah aus wie ein Labyrinth, und die Geräuschkulisse stieg furchtbar an, aber ich wurde wiedergefunden! Danach gab es Catfish aus den Swamps.

afcb4ced096ac7269e52fb19631d5759-img

30. Juni 2010

Mabuhay! Das Essen hier in Manila ist sehr interessant: heute assen wir Sinigang, das nationale Gericht, saure Suppe mit der Frucht Sampaloc, eine Suppe mit Schweinefleisch, Aubergine, Kangkong in einer Bruehe mit Wasser und Gewuerzen und gruenem Swamp Cabbage, dann Bagoon, das sind sehr kleine Shrimps, also eine salzige Fischpaste, dann Calamansi, das sind lokale Zitronen, dazu den kleinen Fisch Hasahasa aus dem Pazifischen Ozean zwischen den Inseln von den Philippinen, die lokalen Avocados, die sehr gelb innen sind, selbst wenn sie reif sind. Die Philippinen moegen es, Namen doppelt zu setzen. Die Leute fischen auch viel an der Kueste Manilas. Der Flughafen ist sehr nah an der Kueste. Wir gehen naechste Woche schwimmen im Suedchinesischen Meer: die Insel heisst Camaya in der Provinz Zambales, in Subic. Als ich mit dem Flugzeug ueber die Kueste Manilas von Bangkok aus flog mit der Thai Airlines, sah ich all diese Fischerhaeuschen im Suedchinesischen Meer, bestehend aus den festen Blaettern der hohen Kokusnuss-Baeume, aus Nipa Palm Trees und aus Bambus. Sie koennen sich kein Land und keine Wohnung leisten und bauen deswegen an der Kueste auf dem Meer. Es sind sehr viele. Von oben, vom Flugzeug aus sah es unbeschreiblich schoen aus. Aber in die Naehe zu kommen, ist gefaehrlich, sagte man mir. Es gibt auch einen muslimischen Stamm namens Badjao, der traditionell in Bootshaeusern im Wasser lebt, aber das ist etwas anderes. Diese sind zu finden in Palawan, einer Insel weiter unten im Sueden. Aber ich glaube, dass es die so genannten Meereszigeuner auch hier in Manila gibt und in vielen anderen Plaetzen, weil sie arm und vertrieben worden sind. Im Pazifik habe ich schon mal in Frankreich gebadet, aber im Suedchinesischen Meer noch nicht. Metro Manila, die Hauptstadt mit den 12 Millionen Einwohnern, ist im Westen der Philippinen, am Suedchinesischen Meer. Im Osten liegt die Philippinische See, das ist ein Teil des Pazifiks. Die Philippinen bestehen aus mehr als 7000 Inseln; die drei Hauptinseln sind Luzon, da bin ich in Manila, dann Mindanao (gesprochen wie Mindenau) und Visayas. Heute wurde der neue Praesident gewaehlt, sein Name ist Benigno Noy Noy Aquino. Er ist der Sohn der verstorbenen Praesidentin, deren Mann von dem brillanten Diktator Marcos erschossen wurde. Spaeter kamen eingeladene Gaeste von dort zum Essen. Wir sahen die Feier im Fernsehen.

29. Juni 2010

Kamusta! Draussen im Garten wachsen hier in Greenhills in Metro Manila, wo ich lebe, Kokusnuss-Baeume, Palmen, Mangobaeume, Hibiskus, Bananenpflanzen, kleine Zitronenbaeume und Avokadobaeume. Ich finde, die afrikanischen Avocados in Uganda haben besser geschmeckt. Insgesamt bin ich wieder in einem tropischen Land, das kann ich spueren, wieder nah am Aequator. Es gibt hier Malaria, aber ich hoffe nicht, dass ich es bekomme. In Uganda war ich auch beschuetzt. Die Moskitos moegen mein Blut, ich bin schon oft gebissen worden. Es gibt hier kein Winter, sondern nur Sommer bis ungefaehr Maerz, April, wo es sehr heiss ist, und dann beginnt statt „Winter“ die Regenzeit. Sie begann, als ich hier ankam. Warmer, weicher Regen kommt vom Himmel, es ist schwuel und feucht, ohne Klimaanlage laesst es sich kaum leben, auf der anderen Seite sind diese wieder viel zu kalt eingestellt. Insgesamt erinnert mich Manila an eine Mischung aus Afrika und USA. Aber eigentlich hat es auch sehr viele spanische Einfluesse. Die Strasse, in der wir leben, wird rund um die Uhr von Waechtern bewacht. Ohne Vorzeigen des Fuehrerscheins kann man nicht hinein. Es ist eine reiche Gegend, in der viele Chinesen wohnen, die Businessmaenner sind. Es gibt hier auch viele Thailaender, Japaner und Koreaner. Manchmal ist es schwer, sie alle auseinander zu halten.

a71093b7b8fec058d1858dae479c7741-img

28. Juni 2010

Wir waren auf dem Markt und haben viele besondere Fruechte gekauft: Pakwan (lokale Wassermelone, davon gibt es verschiedenfarbige), Patola, ein gruenes, langes Gemuese, Papaya in vielen Formen und Farben, indische Mango und Carabao Mango, die unglaublich suess sind, Dragon Fruit, Upo, ein nationales Gemuese, Pinya (Ananas), koreanische Birnen, Mata de Coco, Bayabas, auch Gemuese, Lychees, Santol, Singkamas und noch viele andere kleine und grosse Fruechte, die ich mir nicht merken konnte, dazu salziger Ziegenkaese in Kokusnussblaetter eingepackt. Es gibt keine wirkliche Milch hier in Manila, die lokalen Kuehe heissen Carabao oder Tamarow. Die Frucht Pomelo sieht von innen aus wie eine Blutorange, aber schmeckt ganz anders. Am Montag, wenn ich die Improvisationsklasse leite, werden auch nationale philippinische Instrumente dabei sein, aehnlich wie auch in Riga nationale Instrumente dabei waren: Kulintang, das sind die Gongs, und die Tongatong, das sind Staebe aus Bambus. Es gibt auch ganz seltsames Essen hier, wie Entenbabies, die erst 16 Tage alt sind, die man als Foetus in der Eierschale isst oder ein Gericht aus Schweineblut namens Dinuguan. Aber meistens gibt es Haehnchen und Reis und Mangokekse, bis auf letzteres sehr spicy. Der thailaendische Fisch Cream Dory, den ich vor ein paar Tagen ass, war lecker. Reis wird hier auf unterschiedlichste Weise gekocht. Die Kueche hier ist gross und gemuetlich, und es ist bei weitem westlicher hier als in Uganda. Auch in Schweden sind Gerichte aus Schweineblut eine Delikatesse.

648bc765664c91db1e664a034ec7baff-img

25. Juni 2010

Das Wetter auf Korsika ist wundervoll, ich liebe die Berge hier und die verborgenen Buchten. Es ist nun das dritte Mal, dass ich hier bin und spiele. Es geht schnell, dass man tiefbraun wird, auf den Wanderungen, am Strand, auf der Fähre, auf dem Mountainbike. Es ist manchmal anstrengend, zwischen Urlaub und Dienst, den Andachten und Vorträgen hin und her zu wechseln. Heute abend ist mein zweites Konzert. Vor ein paar Tagen habe ich einen Vortrag mit Musik über Psalme, Klage, Moll und Kunst gegeben. Gestern habe ich ein neues Lied geschrieben. Es tut mir gut, kreativ zu sein. Ohne bin ich wirklich unruhig, als staue sich die Kreativität schmerzhaft in mir an. Morgen fliege ich zurück nach Köln, von dort nach Frankfurt, von dort nach Bangkok und von dort nach Manila. Ich habe meinen Reisepass nicht mitgenommen, da ich nicht wusste, ob ich vorher noch mal nach Hause nach Würzburg komme. Nun wird mir der Reisepass per Eilpost nach Köln gesendet und dann an den Flughafen Köln/Bonn gebracht. Ohne Reisepass kann ich nicht nach Asien fliegen. Ich hoffe, es klappt alles, da auch meine CDs per Post kommen und mein Flug schon gegen 21 Uhr geht. Ich fliege mindestens 16 Stunden und verpasse einen ganzen Tag und damit auch das Fussballspiel Deutschland gegen England. Den Tag bekomme ich zurück auf dem Rückflug. Ich spiele am Tag nach meiner Ankunft in Manila Konzerte in der Universität Manila. Ich bin gespannt auf die Studenten dort. Ich gebe Meisterklassen in Klavier solo und Improvisation.

20. Juni 2010

Der Wettbewerb ist gut gelaufen, aber ich war enttaeuscht, nicht unter den ersten 8 zu sein, sondern unter den ersten 12. Sie sagten mir, ich sei sehr lyrisch, erfrischend und speziell. Ich weiss aber, dass ich nervoes bin bei Wettbewerben; bei Konzerten bin ich nicht nervoes. Die Jury sass so nah dran, nur Maenner, raschelnd und fluesternd, waehrend durch die geoeffneten Fenster der Laerm von Feuerwehrautos zu hoeren war. Es ist schwer, konzentriert und selbstbewusst zu sein. Sie kennen meinen Vater, es kommt mir trotzdem eher wie ein schweres Erbe vor. Natuerlich muss ich meinen eigenen Weg finden. Ausserdem war ich muede von der Reise. Auf dem Rueckweg fuhr ich mit dem Zug ueber Bologna und Firenze und Pisa, um die Faehre von Livorno aus zu nehmen. Diesmal war es die Sardinien-Faehre, nicht die Moby-Faehre, die ja wie ein Hochhaus durch das Meer faehrt. Der Hafen von Genova war eine Mischung aus gewaltig, schmutzig, beeindruckend, schoen und gruselig. Durch Italien mit dem Zug reisen, ist ein Chaos, ich habe da Stories erlebt. Auf diese Weise lernt man Italien ganz anders kennen. Kein Urlaub mehr.

18. Juni 2010

Pianello und Piano-Competition, es ist schòn hier. In der Pampa, im Nichts, in Emilia Romagna, ca. 100 km von Milano entfernt, in der Naehe von Piacenza, im Rathaus des kleines Ortes mit 1000 Einwohnern mit einem riesigen, offenen Schimmelfluegel — hier findet der internationale Wettbewerb statt, in Pianello Val Tidone. Es sind 97 Teilnehmer angemeldet, ich bin die einzige Deutsche. Alle Pianisten sind wirklich gut, sehr viele spielen Liszt und laut und kommen entweder aus Russland oder Asien. Ich bin die einzige mit Bach Goldberg Variationen. Es war ein langer, anstrengender Weg von Bastia nach Piacenza ueber Genova, und die Zuege sind unglaublich chaotisch, man kann sich kaum vorstellen, dass Deutschland und Italien auf einem Kontinent zuhause sind oder zu einer EU gehoeren. An dem deutschen Fussball heute war hier leider keiner interessiert, geschweige denn, dass ich irgendwo einen Fernseher gesehen habe.

16. Juni 2010

Das Konzert in Calvi auf Korsika ist super gelaufen, die Gäste der Pinea Sonntagswochen Neues Leben sind nett, mein Programm war eine Generalprobe für den Wettbewerb morgen, und doch wurden am Schluss wieder am meisten meine Lieder auf CD verkauft, dass ich mir welche nachschicken muss, da sie schon wieder aus sind. Ich werde morgen um 5 Uhr früh nach Bastia gefahren und von dort mit der Fähre nach Genua und weiter nach Piacenza. Ich bin gespannt, wie der Wettbewerb läuft. Es kann sein, dass ich erst am Samstag wieder in Calvi zurück sein werde. Es regnet, ist heiß und schwül. Ich bin dennoch einige Stunden am Strand heute eingeschlafen. Ich liebe das Geräusch der Wellen und den warmen Sommerregen.

12. Juni 2010

Fliege in einer paar Stunden nach Calvi, dort zu spielen, und anschließend mit der Fähre von Bastia nach Savona und von dort Richtung Mailand, nach Piacenza, zum Klavierwettbewerb. Leider kann ich wegen all dem Ausland nicht zurückfliegen, um beim Umsonst & Draußen zu spielen. Das finde ich sehr schade. Ich wäre dort gern aufgetreten, musste aber absagen. Anschließend habe ich Konzerte und Meisterklassen in Manila, auf den Philippinen, und anschließend ein Konzert mit Duo Passion in Mannheim. Leider ist alles so vollgepackt, dass ich mich frage, ob ich die Fußball WM genießen kann. Aber ich habe sowieso erst mal genug zu schreiben an der Magisterarbeit, 100 Seiten über Bach, eigentlich etwas sehr Schönes. Zwischendurch wurde meine ganze Homepage neu gestaltet, da muss ich auch erst hinterherkommen.

28. Mai 2010

In ein paar Tagen wird das neue CMS für meine Homepage hochgeladen, ich bin gespannt, sie wird dann anders und schöner aussehen mit CD-Shop und Foto Flow ... Das Konzert in Karlstadt ist gut verlaufen, Presse war da, schöne Blumen, trotz Sonne sehr gut besucht, und als ich am Schluss drei Lieder sang, fühlte ich mich frei in der Akustik, ohne Mikro. Ich musste zwei Zugaben geben, eine dritte war mir dann zu viel. Heute fahre ich nach Neubrandenburg und spiele heute abend, eine weite Reise. Das Verfahren für meine Magisterarbeit hat begonnen, also die Anmeldung. Dass es überhaupt Verfahren heißt, noch dazu für eine Prüfung, die man bestehen will? Schlagzeug, Saxophon, Gesang, Schwedisch, Chor und PowerPoint Präsentationen zu lernen, das gefällt mir alles gut an der Uni, auch die Themen sind sehr interessant.

ee597615414b0e07c2e0fd1997d47674-img

23. Mai 2010

Ja, sehr schade für die Bayern. Ich halte mich mittlerweile gern in Bibliotheken auf für das wissenschaftliche Studium, obwohl mich manchmal die vielen Bücher erdrücken.

18. Mai 2010

Es hat großen Spaß gemacht, in Stuttgart mit Ralf Conrad aufzunehmen. Er hatte für mich die ideale Mischung von Künstlerisch-Verrückte-Dinge-Ausprobieren (ohne sich zu genieren) und Konzeptüberlegung. Der kleine Flügel mit 6 Mikrofonen bestückt, einem davon türkis und zwei schwere Doppelhänger, stand in einem Winkel des großen BGG-Saales, und mit Pausen nahmen wir auf von 16 Uhr bis halb zwei morgens. Richtig dunkel wurde es leider nie, da es so viele Straßenlaternen draußen und keine Rollos gab, aber der Regen prasselte gemütlich und manchmal unheimlich auf das Dach, es blitzte, die Sträucher zitterten im Wind vor den großen Fensterscheiben, ich ließ mich von Farben inspirieren, von den Farben der roten Stühle vor der blauen Wand, von einem bunten Tuch, von Kerzen und einer kleinen Lampe, von der Dunkelheit, wenn wir alles löschten, von einer weit aufgesprungenen Rose, die Ralf und Alex mitbrachten. Ein paar Mal war ich so tief versunken, dass ich alles um mich herum vergaß, mir fast schwindlig wurde, so konzentriert war ich. Es war angenehm, so völlig zu versinken. Wovon ich mich inspirieren ließ, war auch die Berührung eines violetten Tuches (das als Schmuck für die Plastikblumen diente, die mich nicht inspirierten) um meine Finger und Hände. Ich wickelte mich in das Tuch ein, dass es mich berührte und ich es auch sah, und ich spielte intim mit Kopfhörer, geschützt. Das Verrückteste war allerdings, dass ich Tücher auf die Tasten legte und im Dunkeln spielte, um das Klavierspielen an sich zu vergessen, obwohl das Tuch es mir fast motorisch unmöglich machte, zu spielen — abgesehen davon, dass ich nichts sah. Und doch, es war einfach superkreativ. Ich genoss es in vollen Zügen. Ich liebe neue Klänge. Die CD wird Nachtgedanken heißen, die Musik geht fast ins Avantgardistische. Ralf war die perfekte Mischung zwischen Betreuung und selbst Künstlersein. Der Flügel war perfekt abgenommen. Ich freue mich, wenn Leute mich manchmal als weiblichen Keith Jarrett bezeichnen oder mich mit björk vergleichen. Aber insgesamt ist es wichtig, von Musik als Leistungssport wegzukommen.

9102884ec66115b84a00cba2734775f8-img

17. Mai 2010

Nach 5 Stunden Autofahrt spielte ich in St Stephan, es war schön, dort zu singen, Pfarrer Breitenbach sagte, meine Texte seien alle sehr von Psalm 139 inspiriert und geprägt — ich habe das selber nicht gemerkt.

15. Mai 2010

Diese Himmelsterrasse der Landesgartenschau in Bad Essen ist wirklich beeindruckend. Ich habe einige Angebote für Konzerte in Melle-Buer, wo schon die Prinzen aufgetreten sind, auf der Maiwoche und der Venner Folkwoche. Ich finde ökumenische Veranstaltungen der Kirchen immer schön. Schade, dass ich wegen Osnabrück nicht nach München konnte. Aber hier zu spielen (morgen wieder) gefällt mir auch sehr, trotz des kalten Maiwetters. Es war 3 x verschiedene Presse da, die fotografiert hatte, ein Bericht von meinem Konzert ("Noten, die Flügel bekommen") war heute schon in der Zeitung. Mein Vater hat fast 20 Jahre in Osnabrück gelebt. Ich habe Fotos von ihm gesehen, von früher. Er war ein sehr attraktiver Mann gewesen, alles vor meiner Zeit. Eigentlich hat er das meiste Leben vor meiner ZeEs war 3x verschieit gelebt. Er hat eigentlich fast 3 Leben gelebt. Wir haben auch das Konservatorium in Osabrück besucht, wo er unterrichtet hat, nun eine Anwaltskanzlei, und das Rathaus, wo meine Eltern geheiratet haben. Es hat mich schon mitgenommen. Es gab so viel Zeit vor meiner Geburt.

12. Mai 2010

Morgen fahre ich zu Konzerten nach Osnabrück, wieder einmal stauen sich Konzerte aufeinander und ich muss wieder zurück rasen, freu mich aber trotzdem auf den Norden. Die Sprache der Musikwissenschaft macht mir immer mehr Freude. Gestern las ich etwas sehr Schönes: ein Eisberg ist daher unzerstörbar, da er zu 90 Prozent verborgen liegt. Genauso ist ein Leben unzerstörbar, wenn es zu 90 Prozent verborgen ist. Die Menschen, die auf dieser Welt den positivsten Einfluss hatten, lebten so. Ich dachte früher, es sei schade, dass man nur 10 Prozent sieht. Aber wer hört auf Worte, wenn Töne siegen? Es kommt mir vor, als sei die Seele pulsierend, in Gewebe, Muskeln und Organe hinein. Seele und Geist sitzen in Brust und Kehle, pulsieren von dort aus. Musik ist Abbild des ganzen Willens, wie man weiß.

ac8eb494cbba3849ce253b1cb5080057-img

7. Mai 2010

Wirkliche Kunst sagt den Menschen nicht, was sie glauben sollen, sondern sie versetzt die Menschen für eine Weile in die Lage, die Dinge anders zu betrachten. Der gläubige Künstler kann es den Menschen ermöglichen, einen Moment die Welt durch Augen zu sehen, die von Christus erlöst sind (Steve Turner, 2004). In dem Fall schafft Kunst, was eine Predigt nicht schaffen kann, doch auch die Predigt ist Kunst. Es gibt so wundervolle Künstlerinnen, zum Beispiel Joni Mitchell und Joana Newsom. Ich finde, da wird so viel sichtbar, wie es im Himmel wird.

5. Mai 2010

Ich freu mich sehr, für das Umsonst & Draußen Festival Würzburg eine Einladung bekommen zu haben, am 18. Juni um 20 Uhr; für mich ist es als Pianistin noch etwas Besonderes und Neues, auf solchen Festivals zu spielen; für mich genauso befreiend wie seltsam, meine Lieder zu singen. Wenn ich eine Biographie wie die von Herbert Grönemeyer lese, bin ich ermutigt, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der gleichzeitig verschiedene Dinge tut — wobei es bei mir noch deutlicher auseinander geht, vielleicht — aber nur, wenn man in Systemen denkt. Ich liebe Biographien und bin ermutigt, wenn mir manche einfach so ins Haus flattern zum rechten Zeitpunkt, mich zu stärken. Meine Stimme steht symbolisch für meine Seele. Beim Klavierspielen und schreiben gehen die Meinung nicht so krass auseinander wie bei meiner Stimme. Es würde niemand kommen und sagen, ich kann nicht Klavier spielen oder schreiben. Aber bei meiner Stimme geht es manchmal von einem Extrem ins andere, von Chartcharakter und prägnanter, wunderschöner Stimme und Sie kann nicht singen wie Bob Dylan — und eigentlich stimmt beides. Was ich singen kann, ist Klassik. Selbst meine Brust- und Sprechstimme ist sehr hell und fast Kopfstimme. Ich komme sehr hoch und liebe es, im Chor ersten Sopran zu singen. Von meinem Vorsingen im Kammerchor höre ich bis heute großes Lob, obwohl ich da schäumend war. Und dann gibt es Momente, wo ich in mich hineinsinge und nichts klappt. Es ist plötzlich schwer für mich, aus der Tiefe extrovertiert zu sein.

86eb6514f7dc59229c9d90da3b903c92-img 042b999140feaf240ec6d80ffad6decd-img

Einmal wollte ich Schumann spielen; alles andere konnte ich auswendig, aber nicht diesen Schumann, und ausgerechnet zu diesem hatte ich die Noten vergessen, da ich unterwegs gewesen war zwischen einigen Terminen. Ich spielte also das Konzert und fürchtete mich etwas vor dem Schluss des Programmes: Schumann. Da fiel mir plötzlich mittendrin ein Beethovenstück ein, das ich auswendig konnte und das, wenn ich es im Stile Schumanns spielen würde, fast ein Schumann sein könnte. Ich ließ typische beethovische Stellen aus und improvisierte hier und da im Stile Schumanns, und mein „Schumann“ gefiel dem Publikum am besten vom ganzen Programm. Einmal fiel mir der Text eines meiner eigenen Lieder nicht mehr ein und ich sang das Lied vom CD Cover, wo der Text so winzig steht, dass man das Licht im Saal anders stellen musste. Auf dem Traumschiff ist mir das Stage Piano umgekracht, als ich Chopin darauf spielte ...

28. April 2010

Schloss Craheim ist wunderschön. Es gibt einen sogenannten Kuppelsaal mit einer umwerfenden Akustik und einem netten, kleinen Flügel; alt, aber gut erhalten, von einer Marke, die ich noch nie gesehen habe. Das Schloss ist eher eine Burg. Ich fuhr nach einem langen Tag hin, ohne zu wissen, was mich erwartet. Als ich das Schloss von ferne sah, musste ich staunen, dabei habe ich schon viele Schlösser und Burgen gesehen und selbst in einem gewohnt, bis ich 17 war, im Röthenbacher Schloss. Aber es ist wohl die Atmosphäre dieses Schlosses, mitten in einem vom Fast-Mai hellgrünen, riesigen Park und Alleen, in denen Nachtigalle singen, alles so ruhig, fast einsam, und gestern schien mir der Vollmond rund ins Zimmer, während der Brunnen unter mir plätscherte. Als wir auf der Holzschaukel saßen, habe ich ganz nah einen riesigen Fuchs vorbeischlendern sehen. Er war ein Anblick von Schönheit und Majestät, ich habe selten so etwas Freies, Sanftes und Zufriedenes und einen Fuchs noch nie so nah gesehen. Er tänzelte langsam dahin, ohne Angst, als wüsste er, dass hier ein besonderer Ort ist.

21. April 2010

Meine CD Jeden Augenblick wurde heute im Radio ERF (www.erf.de) vorgestellt, gespielt und sehr gelobt. Jürgen Werth hat es mir gesmst, ich war gerade in der Uni und habe nichts mitbekommen. Naja, sie wird hoffentlich noch oft gespielt werden. Der Maler Eberhard Münch ist sehr interessiert, meinen Roman zu „untermalen“ mit Bildern von ihm, die so schön sind. Darüber freue ich mich. Hoffe, es geht voran! Die Lektorin von Gerth Medien/ Adeo klingt auf jeden Fall absolut interessiert. Schreibe gerade am Schluss des Romans, was wirklich schwer ist: ein gutes Ende zu erfinden, sozusagen; oder besser: ich begebe mich auf eine literarische Fährte und werde geführt. Dennoch ist Kunst immer auch Arbeit. Es war schön heute mit Lena und Irene. Lena ist ein Stück weit meine zusätzliche Lektorin, wir sind ein gutes Team, „Black and White", sagte Irene. :-) Sie kennt mich gut und kann dennoch sachlich sein. In der Sprechstunde sagte heute ein Prof zu mir, ich sei romantisch-pathetisch-impulsiv und voller Bekenntnis, das sei die Sprache der Wissenschaft gerade nicht — na, ich weiß ja nicht. Aber er war sehr nett und engagiert. Manchmal tut Fürsorge leider weh. Ich finde dennoch die Uni einen wichtigen Platz für mich, andere Dimensionen kennenzulernen. Hatte heute das erste Mal Gesang bei Frau Ulmer, die am Theater singt. Sie sagte, ich hätte eine wunderschöne, hohe Kopfstimme, für Klassik perfekt, sogar meine Sprechstimme sei sehr hoch, fast Kopfstimme, doch meine Bruststimme bricht schon beim eingestrichenen e, und durch Atmung arbeiten wir nun an meiner Brust- bzw. Sprechstimme. Manchmal denke ich, meine Stimme ist so hell wie meine Haare hell und meine Hände klein sind, ich kann da gar nicht viel dagegen tun. Trotzdem sagte sie, ich würde sie an Joni Mitchell erinnern. Ich hörte sie mir auf youtube an. Die erste Chorprobe vom Kammerunichor in der Residenz war sehr interessant mit Max Reger. Antje Hagen sagte, ich hätte selbst unter Stress eine wunderschöne hohe Stimme. Aber das nützt mir in der Popmusik jetzt nicht so viel (für meine Lieder). Eine Stimme ist ein Lebensprojekt. Das Festival junger Künstler in Bayreuth hat mich angefragt. Ich glaube, ich muss den Schluss des Romans nicht erfinden. Es gibt nur viele Wege, wie er enden könnte, ich muss mich entscheiden. Habe heute in der Kompositionsklasse von Prof. Winbeck gespielt, er kannte noch meinen Vater und sagte, er wäre ein toller Pianist gewesen. Es ist seltsam, wenn mich jemand auf meinen Vater anspricht, da ich mich kaum erinnern kann.

17. April 2010

Konzert war gestern gut besucht. Die Plakate hingen an den Plakatwänden in der Stadt, Schweden aus Umeå waren in der Partnerstadt Würzburg und da, es stand in der Mainpost, es war ein Mexikaner da, der sagte, er hätte mich schon gehört, als ich noch ganz klein war, mit meiner Schwester zusammen, im Toscana Saal der Residenz vierhändig. Er hatte ein Buch dabei, das er geschrieben hat, auf spanisch, und da standen wir drin! Weil er uns so süß und gut fand damals. Philipp hat mich angesagt, er sagte, ich sei eine Künstlerin, die er total schätzt und mag. Ich habe in der zweiten Hälfte nur Lieder gesungen von der neuen CD und verkaufte sofort am Ende 13 CDs. Das alles ist natürlich noch nicht die Welt. Aber schön fand ich, dass alle Altersgruppen, Männer und Frauen, die CD toll finden: ein Mann von 35, ein Mädchen von 22, eine Frau von 40, ein Student von 24, ein Ehepaar von 50 ... Der eine sagt, er liebt die Texte, die nächste mein Klavierspiel, die nächste die Lieder und Arrangements, die nächste meine Stimme. Und der Rest mag meine klassische Musik. Und die jungen Leute öffnen sich für Bach. Ich habe dadurch ein sehr gemischtes Publikum. Einige haben sich gleich meine email Adresse notiert, um mich zu buchen. Ich merke, dass Gott eingegriffen hat in die Art, wie ich Konzerte spiele. Ich bin noch immer sehr schüchtern, mit dem Publikum zu reden. Plötzlich bin ich so unsicher und sage drei Worte. Ich muss das wirklich lernen, sagte Philipp. Ich merke, dass ich eine Frau bin, also ich meine, ich genoss es, mich hinter Philipp oder dem Klavier zu verstecken. Ich bin öffentlich und doch bin ich schüchtern, ich bin ein Bühnenmensch und doch nicht. Aber Jürgen sagte, das er sich auch so fühlt. Ich bin nicht unnormal. Was ich noch nicht kann, ist, auf der Bühne Witze machen. Dabei sind die Menschen so nett. Wenn ich es versuche, gehen sie freundlich mit und lachen. Danach waren wir Spargelessen, das erste Mal in diesem Jahr, so lecker.

804995d5ce4d18880a8496565fbb31c0-img

Videodreh in Würzburg (Weinberge, Residenz, Residenzgarten, Hochschulgarten, Festung) mit Lena und Dieter ist gut gelaufen bei dem Wetter, was wunderschön und lustig. Auch tolle Fotos entstanden. Habe wieder ein paar sehr intensive Fan-emails erhalten. Berühren tun mich aber eigentlich nur Lob oder Zuneigung von Menschen, zu denen ich eine Beziehung habe.
Auf dem Weg von zuhause zur Residenz, in der die Universität Würzburg das Institut der Musikwissenschaft für Würzburg, Bamberg und Erlangen zu einem der grössten Institute eingerichtet hat, fällt mir ein Gedanke ein — zum Beispiel: Ein Weilenklang — ein Weilenklang ist Schönheit ... und um dies nicht zu vergessen, murmele und flüstere ich diesen Gedanken den Weg bis zur Residenz entlang ... glücklicherweise habe ich es nicht weit, vielleicht sieben Minuten. Schwerer ist es, Melodien zu behalten, wenn Straßenlärm um mich, Ablenkung ist oder lautes Radio oder ein LKW neben mir steht und ich nicht fliehen kann, auf dem Fahrrad oder mit dem Roller oder im Auto oder zu Fuß.

dad31d35302e7d6fa2a7438aded323fb-img

16. April 2010

Bereits über ein Jahr schreibe ich meinen Blog. Heute abend Konzert in Martin Luther Kirche Würzburg, gestern erst aus Frankfurt zurückgekommen von der schwedischen Kirche dort, stelle meine neuen CDs PianoLyrik und Jeden Augenblick vor. Irene kommt am Dienstag aus Lippstadt zu mir, darauf freue ich mich sehr. Am WE Videos. Gerth und Adeo rätseln um meinen Roman, ich hoffe sehr, dass er genommen wird, sie finden ihn toll und außergewöhnlich und dass ich durch und durch Künstlerin sei. Ich finde, mein Roman Die Rotgerüstete ist auch prophetisch. Eberhard Münch wird vielleicht dazu malen. Seine Farben und Motive sind wunderschön.

e0ec1d3cf99e5597d5306193dc71e535-img

13. April 2010

Es ist wirklich kalt in Deutschland. Vermisse die Arion und die warmen Kontinente und Menschen. Mein früheres Musikgymnasium MGGW hat mich zu einer prominenten Schülerin gekürt, lustig, denn damals waren sie sicher nicht so erfreut, dass ich schon nach der elften zum Studium gehe. Wie seltsam manchmal die Wege sind. Heute abend ist eine kleine private CD Release Party bei mir für alle beteiligten Künstler aus der Nähe an der CD Jeden Augenblick, also Musiker und Designer, es gibt Wein, Pizza und eine kleine ägyptische Shisha, eien Wasserpfeife mit Kamelen darauf, mit der man feuchten Apfeltabak aus Port Said raucht. 250 Menschen besuchen zur Zeit meine HP, laut Statistik jedenfalls. Wieder daheim. Ich habe das Gefühl, alles unter mir, unter meinen Füßen schwankt, als wäre ich noch auf dem Schiff. Viele Stempel in meinem Reisepass. Es ist kalt und regnerisch in Deutschland, aber dennoch freue ich mich jedes Mal auf Deutschland. Das ist so, wenn ich von Reisen nach hause komme. Unser Traumschiff ist meist 9 Knoten gefahren, ca. 16 Stundenkilometer. In der letzten Nacht sind wir etwas in eine unruhige See gekommen, Sturm würde ich es nicht nennen, aber ich fiel fast aus dem Bett, eben April über dem Mittelmeer. Seekrank war ich in 10 Tagen nicht einmal. Aber die Hälfte der 300 Menschen hatten Pflaster unter dem Ohr und Tabletten eingenommen und lagen dennoch im Bad auf dem Boden. Zu tun war viel für uns Mitarbeiter. Jeden Tag hatten wir Mitarbeitertreffen, ich habe den Chor begleitet, einmal den Gebetskreis geleitet, Karstens Konzert begleitet (Sänger), zweimal Ausflugs-Bus-Leitung (das war anstrengend, einmal in Petra, einmal Korinth, wobei Korinth wirklich easy war), Andacht und Singen, dann meine eigenen Konzerte, und PianoBar-Musik, Gottesdienste. Zum Üben kommt man nicht. Außerdem wollte ich natürlich auch an Deck liegen und braun werden. Und es waren sehr viele lange Ausflüge. Abends war man platt, und dennoch musste ich abends spielen.

164de3550dc2c4b28f00891f47bd7075-img 9d8613e29a70f5624b54d5fb3bbae26d-img

Karsten Ruß und ich waren für die Musik zuständig. Karsten ist Opernsänger. Jürgen und Angela Werth waren auch da, aber leider nur eine Woche. Mit Jürgen habe ich sein neuestes Lied zusammen gespielt an seinem Konzert. Es ist schön gewesen und hat mich sehr berührt. Cairo war sehr intensiv mit den Pyramiden und dem berühmten ägyptischen Museum, aber Petra war wirklich noch toller. Es war sehr heiß, und ich lief mit dem weißen CVJM-Regenschirm (Erkennungsmerkmal) durch die Wüste, um alle Schäfchen einzutreiben, danach war ich komplett kaputt. Dennoch bekam ich am Schluss das kleine Geschenk eines Kamelritts unten im Tal. Ich muss sagen, ich mag Kamele, sie haben eine so geduldige, starke, treue Art, eine Gelassenheit. Als sich das Kamel mit mir erhob, dachte ich, ich falle kopfüber über das Gesicht des Kamels hinunter. Der Kamelguide fand es lustig mit mir und spornte uns zu einem Galopp an. Ich dachte, mein letztes Stündchen hat geschlagen. Skarabäus, Nofretete, Tutanchamun, Bastet, Hatschepsut und Memnon habe ich als schwarze Alabasterfiguren gekauft, einmal für mich und einmal für meine kleine Nichte Emilia. Auf dem Schiff habe ich mehrere Anträge bekommen, der älteste war 75 und der jüngste 47. Das Höchstangebot bei den Arabern für mich waren bisher 900 Kamele. Das sind 900 x 300 Euro. Ich fand es lustig und später bedrohlich, dass die Ägypter pausenlos hinter mir her waren. Das ging schon bei den Beamten am Flughafen los. Mein Reisepass läuft 2014 aus, er ist in Los Angeles ausgestellt worden. Hannah, Carolin und ich waren gleich alt, und die Teenis und wir hatten viel Spaß miteinander. Ich muss sagen, die ganz jungen Mädchen waren sehr süß und witzig. Wir waren unzertrennlich. Höhepunkte der Reise waren auf jeden Fall die Wüsten: Sinai, Sahara, Arabische Wüste, das Vier-Länder-Eck Saudi Arabien, Israel, Jordanien und Ägypten, das Schwanken zwischen Asien und Afrika, Petra, die Pyramiden und die beiden Kanäle: Suez Kanal und der Kanal von Korinth. Und die Meere natürlich, Golf von Aqaba, Rotes Meer, Golf von Suez, Mittelmeer, Adria. Ich bekomme zur Zeit viele Autogramm-Anfragen übers Internet.

f2ab8a31f6775c2c182948e4a9296a64-img

5. April 2010

Bin nun schon fast eine Woche unterwegs. Stehen mit dem Kreuzfahrtschiff nun kurz vor dem Suez Kanal. Morgen früh legen wir wieder ab, um 5 Uhr früh, um durch den Kanal zu fahren, links Afrika, rechts Asien, politisch alles äygptisch. Windstärke 6-7, heute erster kompletter Seetag, durch den Wind nur 22 Grad, das Meerwasser 23 Grad, aber ich bin schon etwas sonennverbrannt. Durch die Hitze sind meine Füsse und Knöchel angeschwollen. Mückenstiche habe ich außerdem, aber im Gegensatz zu vielen bin ich nicht seekrank geworden. Luxor (eigentlich Theben) war mit dem Tal der Könige mit den Gräbern von Ramses und Tutanchamun und den berühmten Zeichnungen und Hiroglyphen an den Felswänden, dem Luxor Tempel, dem Karnak Tempel und dem Tempel der Haschepsut eine sehr intensive Zeit. Es war sehr heiß, und eigentlich habe ich von dem wirklichen Theben nur über die Pferdekutsche, die auch ins Innerste der Stadt fuhr, etwas mitbekommen. Ich habe Schwierigkeiten mit solchen Fahrten, reich zu sein und die Armen anzustarren, die hinter uns herrennen, die Kinder, die nicht zur Schule gehen, sondern Alabastereier für einen Dollar verkaufen, ich kann das eigentlich nicht. Ich habe versucht, mit den Kindern und einigen Ägyptern zu reden. Aber es ist so schwer. Was mich auch sehr bewegt hat, waren die völlig dünnen Esel und Pferde, die für uns Touristen vor Kutschen gespannt und stundenlang durch die Hitze getrieben werden. Ich sah das eine Pferd weinen, es war so müde, und ich konnte die Seele des Pferdes durch seine Augen sehen. Mich hat es zerrissen. 30. März 2010 Der März geht zu ende. Morgen fliege ich nach Kairo, dann nach Luxor. Frühmorgens geht es los. Wir treffen uns alle in Frankfurt am Airport, Freitag nacht fährt dann das Traumschiff los, ich hoffe, ich werde nicht seekrank. Wenn man sich zurückziehen möchte, kann man dies wenigstens als Begründung angeben :-). Ich freu mich sehr auf das Schiff, die Pyramiden, den Pool, das Meer und vor allem auf die Leute, auf Jürgen, Renate, Hans-Martin, die Gäste, die Menschen, die jungen Leute, mit Jürgen Lieder zu spielen und zu singen. Die CD Jeden Augenblick kam heute an, ich bin total begeistert.

091b8a1dfb6372217fadcfbca63da62e-img e1f511c7ed2ee4a294349defc2a61dc2-img

27. März 2010

Leider war ich zu nervös im Bach Wettbewerb. So früh morgens zu spielen ist nicht meine Sache. Dabei war so viel Genuss, Wohlwollen und Interesse im Saal, viele sind gekommen wegen mir. Und doch, ich habe mir zu viel Druck gemacht. Dabei war ich für alle Runden gut vorbereitet, vor allem für Goldberg. Nun, ich spiele in ein paar Wochen zwei Wettbewerbe in Italien.

24. März 2010

Gestern wieder etwas Lustiges passiert: es kam eine russische, fremde Frau auf mich zu und sagte, ich würde Deutschland und Schweden vertreten, und meine Mischung sei eine gute Gaben-Mischung. Da wurde mir bewusst, dass ich auch Würzburg vertrete. Es macht mir Freude, den ausländischen Musikern Restaurants zu zeigen und ihnen zu helfen. Heute besucht mich Jürgen Werth, vorher unterrichte ich.

21. März 2010

Bachs Geburtstag und Frühlingsanfang, wie ein Rabe krächze ich seit einer Woche, war noch nie so lange krank. Das schlaucht schon, konnte kaum die Einteilung für den Wettbewerb durchstehen, so schlapp war ich. Dann wurden die Lose gezogen, ich bekam ein sehr gutes Los, der letzte Tag, die erste. Also spiele ich am Donnerstag um halb 10. Das freute mich sehr. Bis dahin habe ich noch Zeit, gesund zu werden. Die Leute sind sehr nett, kommen von überall her, Kanada, USA, Russland, China, Taiwan, Frankreich, Italien, Polen ... wir waren etwas essen und haben uns gegenseitig vorgespielt, es ist eine schöne Atmosphäre. Dennoch kommen viele alten Gefühle hoch von meiner Zeit als Kind, als ich wahnsinnig viele Wettbewerbe gespielt habe.

11. März 2010

Session im Tiepolo Keller, war wieder mal einzige Instrumentalistin, es waren aber echte super Musiker da, schöne Gruppe, machte mir Spaß, Flügel mit Schlagzeug zu spielen, ich liebe Rhythmus. Anschliessend spielte ich auf dem kleinen ramponierten Flügel nach einem Glas Wein Bach Duette, während das Weinglas auf dem Flügeldach erzitterte. Die Jazzer waren erstaunt, wie zeitlos Bach ist. Ich sehnte mich nach einem Schlagzeug zu Bach. Das Schlagzeugspielen macht mir sehr viel Spaß. Rhythmus bricht zusammen mit Kreativität aus mir heraus und wirft unsichtbare Farben in die Luft.

8. März 2010

In 2 Wochen beginnt der Wettbewerb, 81 Pianisten aus 24 Ländern. Manchmal schweife ich beim Üben noch ab wie früher, träume, denke nach, merke nicht, dass ich Klavier spiele. Ich habe das Gefühl, ich schlafe, träume, verarbeite, meine Hände fliegen über die Tasten, ich merke es nicht. Ich bemühe mich dann bewusst, konzentriert zu registrieren, dass ich gerade arbeite. Wie kann man im Schlaf arbeiten? Ich gehe im Schlaf (bzw. = beim Üben) im Kopf meinen gespeicherten Terminkalender ab, denn ich habe keinen aufgeschriebenen, außer den hier auf meiner Homepage. Falls es mal kein Internet mehr gibt, weiß ich keinen Termin mehr — nein, stimmt nicht, denn sie sind alle in meinem Kopf gespeichert wie alle Tausenden Noten, und sobald ich Musik spiele oder höre, werden meine Termine wieder aktiviert. Vorgestern übte ich auf dem Flügel in der FeG Lippstadt. Es ist schön, in hellen, großen, heiligen Räumen zu üben.

4. März 2010

Es kostete mich viele Stunden Arbeit, meine Lieder mit komplettem Ablaufplan für den Bassisten aufzuschreiben. Micha hat mich fertig gemacht, ich dachte, ich krieg das nicht hin, meine eigenen Lieder kamen mir vor wie die einer anderen, obwohl sie mein Herz sind, denn sie sind komplex aufzuschreiben, meine Abläufe mache ich so instinktiv, und dann per Hand auf Notenpapier aufschreiben — aber langsam wurde ich etwas besser darin, zu strukturieren. Ich höre das Playback meiner Lieder sehr gern an. Es ist etwas völlig anderes als klassische Musik. Ich sehne mich manchmal richtig nach Rockmusik. Und danach übe ich 6 Stunden Bach. Das wird allmählich überhaupt kein Problem mehr für mich. Ich liebe Musik. Warum muss ich es so eingrenzen? Ich saß bei Sonnenschein mit der CD und einem kleinen CD-Player und Bergen von Notenpapier von Nachbarn in einem Kindergarten in Veitshöchheim, da ich mich zuhause dafür nicht konzentrieren konnte und Michael Ende in Veitshöchheim wohnt. Zwischendurch fragten mich die Leute dort, wie es läuft. Manchmal war ich wie weggetreten bei der Arbeit.

bba4b11a327b4762a10151019d7afa2b-img

2. März 2010

Freue mich gerade an den Vorbereitungen für Manila im Juni. Die neue PianoLyrik CD steht bei amazon, und die ganz neue mit Songs kommt wahrscheinlich Ende März raus. Bin immer noch erschöpft vom Aufnehmen. Es ist anstrengend, in kleinen Schritten vorwärts zu gehen, aber es geht nicht anders, man muss durch die Stille und durch die Realität durch. Die Atmosphäre des JMS ist schon etwas besonderes. Der Flügel war gestern so verstärkt, dass ich dachte, bei Chopin sprengt es mich und die 900 Leute weg, aber sehr viele Leute mögen es offensichtlich laut. Ich hatte die Monitoren direkt neben mir rechts und links, ich musste mich anstrengen, sie mir wegzudenken, sie wegzuhören. Als ich In allen Stürmen gesungen habe, war ich doch nervös, weil hinter mir die Alten Hasen saßen. Albert Frey hat gepredigt, Gaeton, Anja, Arne und zwei andere waren da mit den 150 Besuchern des WorshipSeminars, das ich selbst mal vor 100 Jahren besucht habe, unter anderem waren zwei aus der Uni Würzburg dabei, für die ich eine echte Gebetserhörung war, da ich sie mit dem Auto mitnehmen konnte nach Würzburg. Und eine war da, die mich spielen hörte bei der Evangelischen Allianz Nürnberg/Fürth, die mich denselben Chopin spielen hörte auf einem Stage Piano in einer Kneipe. Und einen vom RAD habe ich dort getroffen, der beim Radio arbeitet, und eine Redakteurin bei ihm auf dem Sendeplatz sagte, sie hätte mich spielen gehört, als ich achtzehn war. Wie klein die Welt ist. Andi hat mich vorgestellt, er gehört dort zum Vorstand und ist Ältester, ihm liegt die Gemeindearbeit mehr auf dem Herzen als der Verlag. Er hat mich voller Erkenntnis vorgestellt, ich war nur zu nervös, dass ich ihm nicht zuhören konnte. Ich habe nur die Erkenntnis in seiner Stimme gehört. Es ist schön, so vorgestellt zu werden, aber von früher ist es mir immer noch unangenehm, am liebsten möchte ich Lob stoppen, aber brauche es auch. So geht es vielen Künstlern, eine zweischneidige Sache.

70e8ee97e85b195d7bd2997f931a7466-img

28. Februar 2010

Bin immer noch im Studio. Die Arbeit ist anstrengend, aber schön. Andi und ich haben schöne und intensive Gespräche wie immer über die Worshipszene, Gemeinde, Musik, Beruf und Leben, während wir aufnehmen, einspielen, essen und Wein trinken. Ich gewöhne mich an die Studio-Situation, aber ich bewundere die, die sich wirklich als Studiomusiker bezeichnen — wobei es noch mal etwas ganz anderes ist, sein eigenes Projekt zu machen. Mein kleines Zimmer hier im Glaskasten im Schwarzwald ist schön, von Sonne und Sturm umgeben. Manchmal höre ich nachts Geräusche und erschrecke mich. Aber dann erinnere ich mich, dass ich von Kreativität, Büchern, CDs, dem kleinen Laden und Gott umgeben bin und dass das Dach knackt. Lena kommt heute zum Aufnehmen, Andi holt mich gleich ab für die JMS, eine Gemeinde mit 700 Leuten im Gottesdienst, wo ich Chopin und In allen Stürmen spiele, ich bin wahrscheinlich grade im Radio daheim im Interview, und heute abend ist das Konzert, da spiele ich abends in Würzburg. In diesem kurzen Monat zeigte mir die Statistik hinter meiner HP-Kulisse 6000 Besucher für Februar.

25. Februar 2010

Die Interviews waren sehr gut, es hat Spaß gemacht, mit Herrn Reichel, der nun schon über 6000 Interviews geführt hat, über Chopin zu sprechen und wie ich Chopin als Pianistin erlebe. Ich merkte Herrn Reichel die Erfahrung an: er sprach sehr frei und stellte interessante, spontane Fragen, obwohl er ja nun kein Musiker ist und Interviews hält zu sämtlichen Themen dieser Erde. Währenddessen sah er mich stets intensiv an, dass ich allmählich das Mikofron vergaß und seinen kleinen Kasten, den er mit zu mir nach Hause nahm (obwohl ich direkt gegenüber von dem Studio wohne, wo er jahrelang moderiert hat) — doch bei mir gibt es den Flügel, den er live dabei haben wollte. Ich spielte Chopins zweite Ballade. Am Sonntag, wo es gesendet wird, am 28., bin ich nicht da, sondern in Altensteig, aber jeder Interview-Partner bekommt eine CD zugesandt. Ich bin gespannt, was er aus dem Live-Interview zusammenschneidet. Eigentlich mag ich es live. Aber es ist manchmal noch ein Schock, seine eigene Stimme zu hören. Er sagte aber, ich hätte mich sehr schön ausgedrückt in dem, was ich sagen wollte. Morgen um acht Uhr fahre ich los ins Studion nach Haiterbach, zwei Tage lang und zwei Nächte, das sind für mich auch neue Erfahrungen. Es wird sicher anstrengend werden für mich, so viel zu singen und zu arrangieren. Lena fährt am Sonntag zum Singen und Spielen. Ich bin Andreas, meinem Produzenten, sehr dankbar, dass er mich so fördert und unterstützt. Und ich bin dankbar für jeden, der wirklich an mich glaubt in dem Sinn, dass er mich sieht und erkennt. Jürgen sagte, ich hätte einen Tiger in mir, eine Gabe, die andere nicht haben, und ich müsste diesen Tiger zähmen. Ich weiß, dass dieser Tiger meine größte Gabe ist, und ich kenne ihn nun ein wenig, kenne seine Kraft ein wenig. Seitdem ich ihn einschätzen kann, merke ich, wie meine Fröhlichkeit zurückkehrt. Ich habe einige Jahre in Angst vor dem Tiger gelebt. Aber er lässt sich tatsächlich zähmen, ich kann es kaum fassen. Ich hatte es fast aufgegeben :-). Aufnehmen im Studio noch ungewöhnlich für eine klassische Musikerin. Am Nachmittag schlief ich erst mal lange, während der Regen und der Sturm um das Haus gingen. Es war gemütlich. Im Studio hier hat man das Gefühl, dass man in einem großen schönen Glaskasten mitten im Schwarzwald sitzt, von CDs und Büchern umgeben.

23. Februar 2010

Übermorgen werde ich für das Morgenmagazin von Radio Charivari interviewt, das dann am Sonntag morgen um 8 Uhr ausgestrahlt wird. Das Thema ist Chopin, Glaube und Musik. Ich bin noch erstaunter, dass ich auch ohne Granitmänner interviewt werde, noch dazu zu einer viel besseren Sendezeit und mit viel Interesse. Das kirchliche Morgenmagazin heißt Kreuz und Quer beziehungsweise Cappuccino — Prof. Konrad aus der Musikwissenschaft wurde auch bereits mehrere Male dort interviewt. Schön ist auch, dass ich nach meinem Interview beim ERF im Juni am Tag danach direkt zu den Konzerten in die Philippinen fliege bis Juli, zu den Masterclasses, die ich halte an der Uni dort, und auf dem Rückweg fliege ich wahrscheinlich direkt nach Rumänien zu Konzerten.

21. Februar 2010

Es ist erstaunlich, wie groß das Netzwerk ist von Künstlern in der Welt, es kommt mir gerade so vor, als wäre ich mittendrin in einem quillenden Strudel. Bin gerade in Stuttgart, Fotosession mit zwei superlieben Fotografen; ich merke, dass die Kunst sehr zusammenhängt mit dem, wer man ist, wie man fühlt; ich lerne mich selbst dabei kennen, wenn ich kreativ bin und mich dabei ruhig nachspüre. Gestern zwei neue Songs aufgenommen. Es ist für mich noch immer eine neue Welt, die elektronische, die mikrofonisierte. Der Bachwettbewerb rückt näher, CD Aufnahme am Wochenende, meine Nachbarn stehen kopf. Viele Baustellen auf einmal. Keine Ahnung, ob sie parallel wachsen können. Ich hoffe es. Denn natürlich gibt es noch viel wichtigere Dinge.

5321f862243754ddb0790d7678e5f87f-img

Meine Nichte in Stuttgart zu besuchen ist jedes Mal ein Erlebnis. Sie liest mit mir gerade die biblischen Geschichten. Es ist so, als würde ich sie ebenfalls das erste Mal hören wie sie, wenn sie von der Arche Noah hört und von Adam und Eva, all diese Geschichten hat sie noch nie gehört. Sie reagiert dabei so leidenschaftlich, als sei sie der erste Mensch auf der Welt. Sie starrt mich an oder schlägt die Hände vors Gesicht. Was sie fühlt ist so intensiv, wenn Eva die Frucht isst oder Kain Abel erschlägt oder die Arche, die gebaut wird. Ich durfte nicht mehr aufhören, obwohl ich echt schon müde war, spätestens, als Josef an die Ägypter verkauft wurde. Sie ist 6 und ein Fan von Tutanchamun.
Abends war ich mit einem Freund, einem Ingenieur, in einem Cafe. Wir haben uns über Glaube, Wissenschaft und Kunst unterhalten bei einem Glas Wein; schon hatten wir am Nebentisch einen jungen Dirigenten, halb deutsch, halb ugandesisch, aus Frankfurt, der sich plötzlich leidenschaftlich an unserem Gespräch beteiligt hat. Es war sehr interessant. Er hat Schulmusik, Kirchenmusik und Germanistik studiert und nimmt an Rillings Dirigat- Meisterkurs in Stuttgart teil. Da ich 5 Wochen in Uganda war, war es besonders interessant, sich auszutauschen.

026c34f4f0d5c5cc4f4d9518de6d15c3-img

14. Februar 2010

Mein Geburtstag ist wunderschön gewesen. Es ist ein besonderer Tag, ein Sonntag, ein Tag der Herzen, ein Valentinstag voller Rosen und Lieder und Wein, und dann 250 Künstler auf einmal, die Musik machen und singen und liebevoll sind. Ich bekam ein Geburtstagslied von einem Streichquartett gespielt und von der Fachgruppe Musik der RAD-Tagung, um Mitternacht gesungen, ein Tag voller Segen und Umarmungen, Gebet und Konzert. Ich war etwas verletzlicher, wie es so ist an Geburtstagen, jedenfalls bei mir. Aber ich habe mich auch unabhängig von Kunst und Musik wohl gefühlt in ihrer Gemeinschaft.

6e3a638a7c7776bf70b720c14790ca83-img

Bei der RAD-Tagung, als ich ein paar Songs sang, haben mir einige wieder gesagt, ich würde sie an björk erinnern in ihrer Anfangszeit, in Stil, in Stimme, in der nordischen Art. Frank Wilhelmi, der Sprecher aus Frankfurt, war gut, fand ich, er hat Wirtschaft und Ökonomie in einer Art und Weise dargebracht, dass ich sie in künstlerischem Kontext verstehen konnte. Es war ein Tag voller Klang und Tönen.

9db3961d3988807993a7ea53ea20d1e0-img

Wenn ich Klavier spiele und vergesse dabei, dass ich Klavierspiele, dann bin ich das, das, was übrig bleibt: Stimme, und eine Stimme ist Kunst. Zeugnis ist martyria, das kann ich bestätigen. Die Kunst aber ist ein Kapital für die Ewigkeit. Und Ökonomie gehört dazu: aus dem Nichts erschaffen. Meine Stimme ist lebendige Tinte aus Klang, Tintenklang. Ich komme mir vor wie eine brennende Kerze, die hier auf Erden alles gibt, die sich ernährt von Kraftvergeudung im positivsten Sinne. Kunst sind ganz andere Kapitalströme als die, die wir so kennen.

12. Februar 2010

Der Lufthansaflug von Stockholm nach Frankfurt wurde wegen Schnee in Frankfurt gecancelt, wir flogen mit 5-stündiger Verspätung mit der SAS, aber es hat sich gelohnt, es war ein wunderschöner Himmel über den Wolken, in den Sonnenuntergang und in die Röte hineinzufliegen. Ich hatte einen super Fensterplatz. Leider verpasste ich die Abendrunde beim RAD, aber immerhin erwischte ich den ICE mit 28 Minuten Verspätung vom Fernbahnhof aus Richtung Stuttgart direkt um 19 Uhr und war dann um 22 Uhr in Schwäbisch Gmünd. Es ist immer wieder anders, hier zu sein, inmitten von 250 Künstlern.

c13ab5380691cc3de6f6fea6a14fca36-img

11. Februar 2010

Letzter Abend Stockholm, war im Oscars, dem berühmtesten Musicalort in Stockholm, in Singing in the Rain, war sehr gut. Die königliche Musikhochschule habe ich natürlich auch besucht, das Vasa Museum mit dem wirklich beindruckenden alten, aber auch unheimlichen Schiff aus der Tiefe voller Götzenfiguren, das keine 30 Minuten fuhr, bevor es sank. Heute war der Ärdsoppa-Tag mit Pancakes, immer donnerstags, und wir assen das in einem versteckten kleinen Restaurant, das zur City Kyrka gehört, einer Freikirche. Es war ein schöner, verschnörkelter Raum im zweiten Stock des Hauses. Da Schweden evangelisch ist, sind alle Kirchen hell, warm und leer, also leer von Figuren und Bildern. Wir haben auch die Tyska Kyrka besucht. Morgen fliegen wir zurück, dann geht es für mich direkt weiter zum RAD im Schönblick Schwäbisch Gmünd. Während des Fluges lese die Biographien der Nobelpreisträger. Auffällig ist, dass fast alle gelitten haben, anders waren als die anderen, und das ihre Kindheiten sie geprägt haben in dem, was sie später waren und schrieben. Ich finde, dass der Friedenspreis und der Literaturpreis oft eine Einheit waren, auch wenn sie noch nie zusammen an eine Person vergeben wurden. Für Alfred Nobel war idealistisch sein eine wichtige und positive Sache. Viele waren ernsthaft, suchend, lange anonym. Alfred selbst wusste, dass sein Testament enorm viel Widerstand auslösen würde, dass selbst der König dagegen sein würde, er schlug mit seinem internationalen Denken eine neue Richtung ein, und noch nicht einmal die Angesprochenen wussten von der Sache. Er musste enormes Vertrauen gehabt haben.

973bf6ce9b0f0a9dc56e69af1ec1f4f0-img

10. Februar 2010

Hier in Stockholm: Wir wohnen 10 Minuten Fußweg hinter der Schleuse, Slussen, das heißt, wir schlafen im Süßwasser, im See Mälaren. Erst hinter der Schleuse beginnt das Salzwasser. Dort stehen die grossen Schiffe, die langsam auf das offene Meer fahren. Unser Schiff fuhr viel in Skandinavien, auch in Europa, wurde aber schwer verwundet im Zweiten Weltkrieg, angeschossen, und stand lange vernachlässigt in London herum, bevor es wieder nach Stockholm zurückgeholt wurde. Die Renovierungen brauchten über 2 Jahre. Nun ist es ein Hotel. Heute besuchte ich das Nobel-Museum. Es war sehr interessant. Ich erwischte gerade die englische Führung. Das Leben von Alfred Nobel war sehr spannend und in vieler Hinsicht tragisch. Es stimmt, dass viele der Lebensgeschichten der Preisträger Heldensagen ähneln, von Schmerz und Kampf und herausragender Kreativität geprägt. Alfred war nie verheiratet, hatte keine Kinder, fühlte sich im persönlichen Leben als Versager und missverstanden, litt unter Depressionen und starb früh. Er hatte geringes Selbstbewusstsein. Auf der anderen Seite war er ein Künstler, ein Wissenschaftler, jemand, der sein Leben gab, der reiste, einer, der überall auf den Kontinenten zuhause war, einer, der suchte bis zum Schluss, ein Businessmann mit Erfolg und Verantwortung, jemand, der sagte, er würde sein Geld nicht dem Mammon zur Verfügung stellen, jemand, der unsterblich geworden ist auf dieser Erde, indem er sein Vermögen gab für einen Fund, der bis heute millionenschwere Preise vergibt, um die Welt zu verändern. Er wollte eigentlich Schriftsteller werden. Er schrieb Gedichte und verbrannte vieles. Sein Vater wollte auf keinen Fall, dass er ein Schriftsteller werden würde. Das muss ihm sehr weh getan haben. Aber er las und schrieb viel, und der Literaturnobelpreis war ihm sehr wichtig. Ich wusste nicht, dass mit diesem Preis so hohe Werte verbunden sind. Das hat mich getroffen. Es geht nicht nur um das Schreiben und die geniale Begabung, es geht vor allem darum, ob der Menschheit einen Nutzen gegeben wird. Wer kann diese Werte erfüllen?
Natürlich war ich auch im Schloss und in der Bibliothek der Nobelpreisträger und kaufte einige schwedische Bücher. Nur 5 Prozent aller Preisträger sind Frauen. Das gibt es doch nicht. Es berührte mich, wie ein Prozeß von Kreativität angeregt wird. All das berührte mich so, als würde es konkret um mich gehen. Es stand auch, dass Lyrik Konzentration sei, pure Konzentration. Das stimmt. Die Führungen waren meist auf Schwedisch.
Wir aßen im Kaknästornet, dort war es am teuersten, leider, aber mit herrlicher Aussicht über ganz Stockholm, dann gingen wir in das Dramaten und sahen ein englisches Play auf Schwedisch, Pygmalion von George Bernand Shaw. Auch dort ging es um das Schicksal von Frauen. Ich kann es kaum ertragen, wenn in einer bitteren Satire gelacht wird. Aber anschliessend kam ein älterer, fremder Herr zu mir und sagte aus dem Nichts, wie traurig er über das Ende des Stückes wäre, dass die beiden nicht geheiratet hätten, er hätte sie doch so gebraucht. Ich kann kaum glauben, wie unterschiedlich Männer empfinden. Die Frau wurde doch völlig schlecht behandelt. Dennoch tat mir der Mann plötzlich so leid. Ist das typisch Frau? Dahinschmelzen, obwohl man hohe, echte Werte hat? Stockholm ist eine der schönsten Städte, die ich je gesehen habe, Sonne auf Schnee, Kultur überall, interesante Menschen mit Stil, sogar die Männer sind sehr schick angezogen. Der ERF hat meine CDs angefordert, ich freue mich, wenn meine Musik im Radio gespielt wird.

9. Februar 2010

Dies ist nun meine zweite Nacht in Stockholm. Wir wohnen auf einem Boot am Rande der vereisten Ostsee, auf dem Boot Loginn Hotel, Söder Mälarstrand gegenüber Gamla Stan und Stadshuset. Man kann hier an Deck sitzen, in eine Decke gewickelt, in einem Bastschaukelstuhl sitzend und Mango-Cidre trinkend, und auf das Eis und den Schnee und die Lichter der Altstadt schauen. Es ist hier ungefähr fünf Grad minus, die Straßen, die Ostsee und die Gehwege sind voller Schnee, es wird nicht geschippt. Früher fuhr das Boot sicher einmal. Die Zimmer sind süß und klein mit eigenem Bad und Stockbetten. Ich schlafe oben, mit Blick durch das Bullauge auf Gamla Stan. Um diese Jahreszeit sind wenig Touristen hier, was ich sehr geniesse. Gunhild und ich fuhren mit der Fähre von Stavsnäs nach Sandhamn in die Schären. Die Fähre ist vorne rund gebaut, damit das Eis dem Boot nicht schadet. Teilweise war kein Wasser mehr zu sehen. Ich bin noch nie auf Eisbrocken gefahren. Man konnte das Meer nicht mal riechen, kein Salz, keine Gerüche fremder Welten, nur Eis und Schnee. Ich finde, man kann Schnee riechen. Wir sahen Adler in der Luft und spürten den Druck der Fähre gegen das Eis. Auf der Insel Sandhamn war gar nichts los, aber es war wunderschön, im Schnee das offene Meer zu sehen, die roten Häuser, die kleine Post. Im Sommer legen hier teure und große Segelboote an, da ist der Bär los, aber im Winter wohnen keine 50 Leute dort regelmässig, nur ein Restaurant hatte offen. Leider trug ich meine roten Lederstiefel aus Berlin, die durch den Schnee nass wurden, so setzten wir uns in das Restaurant. Dort stand ein Flügel, an dem Barhocker standen, dass man dort sitzen und trinken kann. Mir wurde beinahe schlecht. Ich wollte üben und traute mich nicht zu fragen. Stattdessen lernten wir Schwedisch für die Klausur. Es ist etwas anstrengend, den ganzen Tag schwedisch zu sprechen und alle Grammatik zu lernen. Das Hören ist kein Problem, manchmal antworte ich auf Deutsch, wenn ich nicht mehr kann. Ich habe gemerkt, dass ich mich sehr nach einer vollkommenen Sprache sehne, die logisch und wundervoll ist. Aber eine Sprache ist wie die Menschen, menschlich eben, oft unlogisch, und es macht keinen Sinn, sich über eine Sprache zu ärgern, man muss sie nehmen, wie sie ist. Vielleicht wird es im Himmel mal eine andere Sprache geben, die in jeglicher Hinsicht Sinn macht, erfüllt und befriedigt. Musik kommt dem am nächsten. Ich bin besonders sensibel mit Sprache und Musik, wenn ich auf Reisen bin und nicht üben kann.
Gunhild kennt sich in Stockholm bestens aus, da sie hier promoviert hat. Sie zeigte mir die Svenska Akademien von 1785, dort, wo die 18 schwedischen Wissenschaftler und Schriftsteller noch immer zusammenkommen und einmal im Jahr den millionenschweren Nobelpreis für Literatur vergeben. Mein Herz klopfte, als wir das alte, holzvertäfelte Gebäude betraten. Von den 18 Schriftstellern waren nur 5 Frauen laut den Fotos innerhalb des Gremiums, und zwei davon kommen nach einem Streit nicht mehr. So etwas macht mich sehr traurig. Der Wissenschaftler Nobel, der herausfand, wie man Dynamit, bzw. TNT bindet, hatte in jungen Jahren bei seinen Experiementen seinen Bruder verloren, der tödlich verunglückte bei einer Explosion. Ich merke, dass wenn man das an etwas dran ist, dann kann man selbst bei höchstem Verlust nicht mehr aufhören, zu suchen.

8. Februar 2010

Wir assen in vornehmen, teuren Fischrestaurants, Stockholms Fisk im Hotel Viking in der Nähe von Stockholm Central, wo sogar das billigste Glas Rotwein 10 Euro kostet, und das zweite Tysta Marie in Östermalms Saluhall, da ich Fisch liebe und das Leben in Stockholm vornehm ist. Wir aßen Lachs und Strömming, das ist ein Fisch, den man in Deutschland so nicht kaufen kann. Wir sahen den dritten Teil der Trilogie Millenium und gehen morgen in das Konserthuset am Hötorget (Heumarkt) und hören Beethoven von Pålman (mein Geburtstagsgeschenk für den Herzenstag am Sonntag, so heißt hier der Valentinstag). Natürlich assen wir auch die berühmte süsse Semmel hier mit Marzipan, was ich liebe, dazu Sahne und Kardemumma.

1. Februar 2010

Morgen fahre ich nach Nürnberg & Fürth und freue mich, bei Jesus 2010 zu sprechen und zu spielen, ich möchte gern über Glauben und Leben als Künstlerin sprechen und wie schwer das oft ist. Bald werde ich auch als Sprecherin in Neubrandenburg sein im März. Ich spreche eigentlich auch gerne über das, was in mir ist, ich habe das Gefühl, ich habe so viel zu sagen, was anderen helfen kann. Heute habe ich den Film Mein linker Fuß gesehen (Christy Brown) — oft konnte ich mich teilweise identifizieren mit dem jungen Mann, der gleichzeitig hochbegabt und sehr klug war und doch in mancher Hinsicht wie ein Krüppel war. Ich glaube, Schriftsteller sind insgesamt sehr klug, da sie sehr sensibel zusammenfassen können müssen, wenn sie nicht gerade irgendwo schweben. Manchmal schwebe ich beim Bachspielen.
Es stelle keine warme Luft um mich an, das hilft mir, konzentriert zu bleiben beim Üben. Gerade Sensibilität aber macht oft zu einer Art Krüppel.

541bb34613092aaddd40f29acfb67f86-img

Am Donnerstag treffe ich den Fotografen Johannes Fenn wegen neuen Coverfotos. Gesang und Schlagzeug ist gerade körperlich viel Arbeit für mich. Beim Schlagzeug ist mir auch der Klang sehr wichtig.

31. Januar 2010

Habe heute morgen aus Versehen Müsli auf meinen Laptop gekippt ... oh, nicht leicht, sich darüber nicht zu ärgern. Traf mich heute mit zwei Sängerinnen, Carola und Sylwie, es war schön, sich über das Leben mit Musik, gemeinsamen Projekten, Welt, Glaube und Männern auszutauschen.

28. Januar 2010

Heute habe ich mein erstes schwedisches Referat gehalten. Meine erste Uni-Note in Schwedisch war eine 1,7. Der Fördjupningskurs ist Level B2. Der höchste Level ist C2. Meine Gedanken überschlagen sich, da es Themen sind, die mich echt interessieren, zum Beispiel Astrid Lindgrens Leben. Es ist doch erstaunlich, wie prophetisch und politisch Kunst in seinem Wesen ist, wobei mir das Wort politisch nicht gefällt, es müsste ein anderes Wort sein, geschichtlich vielleicht. Wie sonst könnte ein rothaariges, rebellisches Mädchen wie Pippi Långstrump in einer Zeit von 1945 weltweit so berühmt werden, in einer Zeit des Elends und Machtmissbrauchs in Europa? Und automatisch wird eine Künstlerin auch ein Gesamtkunstwerk, wie man an Astrid Lindgrens Leben sehen kann, zum Beispiel der „Skandal“ mit ihrem unehelichen Sohn Lasse. Dies hat sicher sehr dazu beigetragen zu den Inhalten ihrer Kinderbücher. Man verarbeitet einfach beim Schreiben. Es lässt sich dennoch nicht, wie es Musikpädagogen oder Musikwissenschaftler versuchen, kontrollieren oder herausfinden, wie ein Welle rollt oder eine Bombe einschlägt in der Kunst. Der neugestartete kleine Verlag Rabén & Sjögren konnte nicht wissen, was für eine Erfolgswelle er starten würden mit dem Risiko Pippi Långstrump. Ein Künstler ist sowohl Verlierer als auch Gewinner, das lässt sich nicht trennen. In Schwedisch ist es natürlich noch mal etwas anderes, sich öffentlich frei über seine Gedanken zu äußern. Sprache ist für mich so ein wichtiges Mittel. Ich fühle mich hilflos ohne. Das Film-Festival hier zeigt viele internationale Filme, auch schwedische, darauf freue ich mich. Bisher habe ich israelische, spanische, zwei finnische und türkische Filme gesehen auf dem Festival 2010. Nächste Woche werde ich mit Michael Ende proben, ich bin so gespannt auf E-Bass und Klavier.

75c4251c44df392d617d6462a0cbf5e8-img

Der schwedische Film war eine bittere Komödie, ich habe ein Problem damit, wenn Tragödien witzig dargestellt werden. Aber es war interessant, alle Schweden auf einmal zu treffen. Danach hatte sich der Regisseur Zeit genommen für uns. Er war sehr sympathisch. Mir fiel auf, dass alle Filme, die ich gesehen habe, eine Suche nach Gott waren, je atheistischer, desto suchender. Ich glaube, ich habe nun endlich den objektiven Maßstab für Kunst gefunden: sie besteht aus vier Themen: Kreativität, Liebe, Unsterblichkeit und Gott. Ich glaube, Kunst ist eine Person. Man kann sie kennen lernen. Man kann sie nicht erwissenschaften.

d86996b57b3de9bf3e1aa7e5635036e1-img

27. Januar 2010

Für mich ist Schwedisch an der Uni eine Doppelbelastung, da Fremdsprache auf hohem Niveau nach einem Jahr Lernen und Wissenschaft in einer Fremdsprache, die selbst in Deutsch für mich neu ist. Trotzdem macht es mir viel Spaß, ich lerne viel. Im Ballett Schwanensee in der Meistersingerhalle Nürnberg gestern, das Russische Staatsballett, teure Karten — und bin enttäuscht. Erstens kam die Musik vom Band, von den Lautsprechern. Da entstand keine Atmosphäre. Außerdem waren die Lautsprecher so schlecht eingestellt, kein Dolby Surround, es hätten zumindest noch Boxen hinter uns angebracht werden müssen, so säuselte die Musik leise und quäkend oberflächlich in den großen Saal. Für mich aber ist die Musik bei Schwanensee das Wichtigste, dann erst kommt das Ballett. Tschaikowksy und ein großes Orchester schaffen erst einmal die Atmosphäre und den Rahmen. Durch die leise CD-Musik hörte man das Klappern der Schuhe der Tänzer, alles wirkte so leicht, so geübt, so gehüpft. Noch dazu war die CD-Aufnahme nicht das, was ich von Qualität her kenne. Ich weiß nicht, welches Orchester da auf Band war, aber ich kenne Schwanensee viel schneller, viel leidenschaftlicher gespielt. So waren die Tempi für mich auch viel zu langsam. Ich dachte, ich sitze in einer Übung ohne Schwere, ohne Gewicht, ohne Tiefe. Die Professionalität der Tänzer war groß und fast kalt, dass ich kein Gefühl mehr spüren konnte. Da die Karten so teuer waren, war das Publikum eher das biedere. Da trifft dann das große Professionelle auf das große Biedere, wegen dem Geld. Aber für große Rockkonzerte wird ja auch sehr viel ausgegeben. Ich habe so eine große Vorstellung von Tschaikowsky. Als Kind hörte ich Schwanensee rauf und runter auf Kassette und fand es wunderschön. Ich träumte die Geschichte dazu. Nichts wird für mich je wieder so schön gespielt und erträumt werden wie das, was ich gehört habe als Kind, als die Erinnerung daran, ich kann das nicht mehr finden im Vergleich als Erwachsene. Ich musste weinen bei Tschaikowksy als Kind. Und jetzt, gestern, wäre ich fast eingeschlafen. So ändert sich die Perspektive wohl. Es war nett, es war gut, aber es war auch so nichtssagend. Die Meistersingerhalle habe ich oft besucht, als ich ein Kind war, da wir ein Abo hatten, ich war mindestens einmal im Monat dort im Orchesterkonzert, und die Halle war so groß und leuchtend, und jetzt war selbst die Halle nichtssagend, fast renovierungsbedürftig und klein. Es gab auch kein Eis mit heißen Himbeeren mehr in der Pause, als Kind für mich der Hauptgrund, ins Konzert zu gehen, sondern nur Brezeln und Bier. Aber natürlich fiel mir das nur am Rande auf. Insgesamt dachte ich, hm, irgendwie kann das nicht alles gewesen sein. Kunst ist für mich mehr, viel mehr.

c4b66a3f80eeccac8d72db689bba1786-img

25. Januar 2010

Jürgen Werth hatte mich heute als Predigtthema. Es ist oft schwer für mich, verletzlich auf der einen Seite, und meine Seele so „alt“ in mir drin, beziehungsweise weit sehend und weit könnend auf der anderen Seite zu sein. Wenn ich meine eigenen Lieder spiele, habe ich das Gefühl, ich füttere die Leute, sie bekommen zu essen.

e5760220e3f2ddc41d30b9e155cd15a9-img 1f329ccda5381a6dc2bb81be2d692c09-img

Heute ist mir wieder ein Engel begegnet. Manchmal kommt es mir vor, als wäre es immer derselbe, nur wechselt er das Gesicht. Er sagte, ich soll an die Leidenschaft der Rotgerüsteten (meine Romanfigur) denken, nicht an die Berühmtheit. Ich sei eine Künstlerin durch und durch. Gerade vor dem aktiv Künstlerischen scheue ich mich, da gerade das in mir lange nicht gefördert und gesehen wurde, sondern nur das Klavier wurde gefördert. Mit weiblich und rot und gerüstet verbindet er Ekstase, Pompöses, Gewaltiges. Das ist mir irgendwie nicht so recht. Vielleicht sollte ich doch eine Goldgerüstete werden? Er sagte, nein, mit rotgerüstet verbindet er zum Beispiel We will rock You in Wembley vor einer halben Million Menschen. Ich weiß nicht. Ich mag Queen. Aber ... Ich weiß nur, dass ich ein Transportmittel bin. Aber eben nicht nur. Ich bin auch eine Frau. Und seltsam, es verändert sich so viel in mir. Ich erkenne mich gar nicht wieder manchmal. Aber ich spüre immer noch so viel, von dem andere gar nicht wissen, dass es da ist. Das Verändern passiert in meiner Ohnmacht, ich habe wirklich keinen exakten Einfluss darauf, und doch, habe ich.
Es ist sehr niedlich, zu sehen, wie die kleinen Vierjährigen im Schülerkonzert ohne Angst und gemütlich von hinten auf den Klavierhocker krabbeln und es ganz geniessen, gesehen zu werden. Nächstes Jahr spielen sie bei „Jugend musiziert". Ich hae ein paar hochbegabte kleine Schülerinnen.

22ddc43da6410a6888cd9c4a61c1f8c1-img

23. Januar 2010

Als mich Jürgen anrief, sagte er: Hallo, ist da die Rotgerüstete? Das freute mich. Er sagte, mein Roman wird mal eine große Hilfe sein für viele Kirchenverletzte. Die Granitmänner sind die Gutmenschen, schätze ich. Das hoffe ich, dass ich eine Hilfe sein werde. Wir treffen uns am 24.3.

22. Januar 2010

Es kostet mich viel Kraft, ein Gesamtkunstwerk zu sein. Schreibe ich an meinem Roman, verändere ich mich, oder besser, so wie ich mich verändere, so verändert sich mein Schreiben, ganz konkret der Roman. Einige sagen, ich hätte einen ähnlichen Stil wie Herta Müller. Das Homburger Schloss ist sehr schön; es erinnert mich an das kleine Schloss, in dem meine Familie und ich in Röthenbach an der Pegnitz gewohnt haben, die Böden und Türen und Klinken. Die Atmosphäre von Burgen und Schlössern mag ich sehr, den Geruch der Türme. Ob ich wieder in einem Schloss wohnen wollen würde, ist eine andere Frage. Die Instrumente des Schlosses sind hochinteressant. Am besten gefiel mir das dunkelrote Clavichord in dem kleinen Gästezimmer, in dem ich übernachtete. Wieviel Kraft und Klang in einem solchen und alten Instrument steckt! Die Pedale an dem Hammerflügel im Saal gebraucht man mit den Knien, was für mich natürlich eine Umstellung ist, vor allem, da sie überkreuzt empfunden werden, das heißt, die Dämpfung ist rechts. Der Flügel ist perfekt für Beethoven, Haydn und Schubert. Ein Clavichord in der Sammlung soll Mozart gespielt haben. Jürgen Werth schrieb mir, ich sei jung mit einer alten Seele. Genauso fühle ich mich, allerdings mit einem Herzen wie ein Kind. Er mag meine Musik und Texte und möchte mich zu seiner Talkshow einladen im Fernsehen, dann bin ich ein Werther Gast. Er sagte, dass er auch die Granitmänner aus den Kirchen kennt. Ich habe ein Herz für Künstler in der Freikirche. Meine Lieblingsgeschichte aus der Bibel ist die von Mose. Ich finde, es ist nach Jesus die wundervollste Geschichte dieser Erde. Ich frage mich, wie man als introvertierter Schreiber ein extrovertierter Bühnenmensch sei kann. Manchmal vertausche ich die Rollen.
Der Wettbewerb kommt in seine Endphase, ich übe teilweise 5-6 Stunden am Tag, das ist sehr anstrengend, alles Bach, alles auswendig, zwischendurch meine Lieder. Ich freue mich, dass in Hohenroth beim Konzert meine Liedtexte auch angezeigt werden.

21. Januar 2010

Meine lyrischen Bilder seien wunderschön, ein gigantisches Feuerwerk, aber Menschen würden noch draußen stehen, nicht wirklich verstehen vielleicht, sagte mir heute einer meiner Mentoren. Ich komme mir noch vor, als würde ich unter einem Schleier schreiben. Der lyrische Schlüssel bin ich, doch ich kenne ihn selbst nicht, den Schlüssel. Das Erstaunliche ist, dass ich gerade von diesem Schlüssel schreibe in meinem Roman. Alles ist so eng verwoben, als würden so viele Teile meines Lebens prophetisch sein. Allerdings manches passt so überhaupt nicht hinein und scheint so sinnlos zu sein. Ich liebe es, wenn jemand schreiben kann, weise, mutig und prophetisch. Es gibt kaum etwas Schöneres. Das kann man auch nicht studieren. Die meisten großen Schriftsteller haben etwas ganz anderes studiert, wenn sie überhaupt studiert haben.
Mein Baby-Kaninchen ist nun groß und dick geworden. Erst jetzt, nach 2 Monaten, zeigt sich, dass auch er dreifarbig wird. Er ist weißgrau (grau wie seine Mama Lotti und weiß wie sein Papa Wonne), aber seine Nase ist braun. Da auch sein Bruder Josch braunweißgrau ist, denke ich, dass ihre Oma oder ein Opa braun gewesen sein muss. Ich hoffe, Josch geht es gut. Noah leckt meine Nase, meine Hände, er ist zu niedlich, als dass ich ihn weggeben könnte.

20. Januar 2010

Die Filme von Andrei Tarkovsky sind so kunstvoll, sie sind für mich eine Mischung aus Italien, Russland, Musik, Gedicht. Das Treffen der Traumschiff-Crew im Nürnberger CVJM am Kornmarkt war sehr schön. Ich freue mich sehr, meine Gaben einzubringen und die anderen besser kennen zu lernen, auch Jürgen Werth, der bei der Vorbesprechung nicht dabei war. Obwohl es in der christlichen Welt sehr von Frauen wimmelt, sitzen in den obersten Gremien und dort, wo kreativ und beeinflussend entschieden wird, hauptsächlich Männer, das macht mich traurig. Wenn es Frauen sind, haben sie oft die Aufgabe einer Sekretärin, einer Diener, einer Organisatorin. Es fällt mir immer mehr auf, dass ich, egal, wo ich bin, oft die einzige kreative junge Frau bin, die mit entscheiden möchte. Warum ist das so? Es ist auch nicht leicht für mich als Frau, mir Gehör zu verschaffen und mich durchzusetzen, daher bin ich vielleicht manchmal auch zu stark oder auch zu schwach, je nachdem. Was mir oft passiert, ist, dass mich Männer necken, mich prüfen, mit mir flirten oder unbewusst versuchen, meine Autorität zu testen oder auch zu untergraben oder auszubremsen — vielleicht unbewusst. Ich freue mich auf den Kontinent Afrika in den Osterferien. Wahrscheinlich werde ich meine Hängematte mitnehmen und mich an Deck legen nachts.

6598d7aaaa1800b920a6d7877554b8f3-img 49e817f3c6fe5aa23cbf5828743fd098-img

Schlagzeug macht sehr viel Spaß, in kann meine Energie verwandeln in Rhythmus, ich liebe ihn laut, steady und wild. Manchmal kann ich bei Bernd Kremling üben. Ich bewege mich manchmal mit Leidenschaft außerhalb der Klassik. Zur Zeit höre ich wieder sehr gerne Björk, die isländische Künstlerin, sie ist einfach eine phantastische Persönlichkeit und Komponistin.

15. Janaur 2010

Meine Schwedisch-Klausur fällt genau in die Zeit, in der ich in Stockholm bin. Nun muss ich alleine nachschreiben Ende Februar. Schafft man die Klausur mit einer guten Note, kommt man in den Kurs Akademisches Arbeiten oder Schwedische Literatur. Eventuell kann man ein Stipendium für einen Sprachkurs bekommen im Sommer, Level B2. Meinen Vortrag über Astrid Lindgren ist in 2 Wochen.
Heute habe ich gehört, dass ich eine Synästhetikerin bin, das heißt, ich kann verschiedene Sinnesebenen koppeln und mischen, konkret: Wort, Ton und Farbe. Das kann auch sehr belastend sein und anstrengend. Ich merke zum Beispiel, dass die Kreativität nicht als Muse kommt bei mir, sondern fordernd. Ich übe, und plötzlich weiß ich das poetische Bild zu einem Gedanken. Ich laufe dann oft zwischen Flügel und Laptop hin und her und kann nach zwei Stunden ins Bett gehen, so müde bin ich, was ich nicht tue. Ich habe Angst vor meiner Kreativität. Ich habe auch in Kombination von Musik ganz klare Erkenntnisse und ein Wissen über Dinge, als würde mir die Musik das konkret als Schriftzug sagen, was in der Luft liegt. So auch mit Farben und Bilder, nicht ganz so ausgeprägt, da ich es nicht so häufig tue. Meine Antennen sind immer ausgefahren, was mich viel Kraft kostet. Natürlich gibt es Leute, die sagen, ich spinne, zum Beispiel Leute aus der citychurch, da meine Wahrnehmung dadurch anders ist. Ich muss erstmal lange erklären, warum ich was wie sage. Aber es gibt auch Leute, die sagen, dass das eine Gabe ist, eine Hochbegabung.
Heute badete ich mit einem Duschherzen; ich wollte die rote Flüssigkeit aus der engen Öffnung drücken, was natürlich nicht ging, aber plötzlich bekam das große Herz einen Riss mittendurch und die komplette rote Creme war in meinem Gesicht und an den Kacheln und überall auf mir. Irgendwie fand ich das sehr symbolisch und schön.

13. Januar 2010

Ich freue mich auf den Suezkanal, Port Said, Luxor, Korinth.

4a68f7bca7c288613b22f06c1b1cea63-img 44d913b5566ba79f51c954193400a5d6-img

11. Januar 2010

Es war eine spezielle Erfahrung, im Elefantentreffen (Leitertreffen) dabei gewesen zu sein. Die Elefanten tragen Verantwortung. Einer sagte, ich wäre ihm vorgekommen wie ein Flamingo, bunt und künstlerisch. Aber ein Flamingo trägt anders, kommt dahin, wo ein Elefant nicht hinkommt, er ist schön, sensibel, kann schwimmen und fliegen, er ist nicht so träge wie ein Elefant. Dennoch bin ich oft sprachlos und entsetzt über den Wald an Männern, den ich vorfinde, kaum eine Frau.br> Spannend fand ich den Persönlichkeitstest für Künstler, und ich bin ENFP, das ist extrovertierte Intuition mit introvertiertem Fühlen (manchmal introvertiertem Denken, das ist dann ENTP). Ich war da etwas hin- und her gerissen zwischen beiden Typen. Der Test hieß MBTI. Die ENFPs oder ENTPs sind schlau, kreativ, phantasievoll, energiegeladen, spontan, begeistert, bestimmend, hinterfragend und neugierig — und normalerweise kooperativ, freundlich, warm und unterstützend. Werden sie aber verletzt, können sie rebellisch, übermäßig nonkonformistisch, frustriert oder aggressiv werden. Na, das ist doch erstaunlich. Es gäbe viele berühmte ENFPs und ENTPs. Sie müssen lernen, Intuition, Denken und Fühlen besonders zu entwickeln. Ich kann leider nicht wirklich sagen, ob ich ein Denker oder ein Fühler bin. Ich bin eine Kämpfern und clever, das spricht für den Denker, aber so viele Dinge treffen ganz klar auf den Fühlmenschen. Jetzt ist die Frage, wer ich im Kern bin und was antrainiert wurde. Der Denker ist scharfsinnig und kann gut mit Worten umgehen und ist — und das bringt mich ins Schleudern: angeblich organisiert, rational und strukturiert. Bei mir ist das Analytische vom Gefühl geprägt. Wenn ich aber darüber nachdenke, bin ich aber wahrscheinlich doch tatsächlich eher der ENTP, der Denker. Daher sind Gefühle für mich oft doch ziemlicher Stress. Manchmal bin ich eindeutig ENFP, der Herzmensch, ich treffe Entscheidungen mit dem Herzen. Referentin auf dem Musikertreffen war Christina Brudereck aus Essen.
Nun fällt mein Geburtstag am 14.2. mitten in das Rad-Treffen. Naja, es ist Sonntag, es ist Fasching, es ist Valentinstag, es ist das Rad. Zwei Tage vor meinem Geburtstag erscheint die neue klassische CD PianoLyrik bei cap-music. Am 16. Januar ist erst mal das CVJM Treffen für die Kreuzfahrt, anschliessend bin ich bei Jonny und seiner Familie in Nürnberg. Jonny hat auch schon Musik gemacht für das Schiff. Er sagte, bei den Ausflügen ist man auch dabei, anzuleiten. Ich dachte mir, wenn ich eine Gruppe von 350 Leuten durch Kairo führen soll, dann gehen wir sicher alle zusammen verloren. Während die anderen in der Pyramide sind, lese ich bestimmt keine Stadtkarte durch. Ich war noch nie bei der Planung einer Schifffahrt dabei. Hoffentlich werde ich nicht seekrank. Ich kenne bisher nur die Fähren über die Ostsee, in Deutschland und Skandinavien, und die Fähre nach Griechenland. Ich mag Schiffe sehr. Mein Vater spielte regelmäßig auf der MS Europa. Das ist natürlich noch mal eine andere Kategorie. Ich freue mich auf die Familie Pechsteins.

a5fe60bd0f5c2d9187b79bfdd9eb2dfa-img

7. Januar 2010

Nach dem Konzert heute kam ein älterer Herr auf mich zu. Er erzählte mir, dass er mit seiner Frau schon zehnmal in Verona gewesen wäre, auf Opernreise, und plötzlich fing er an zu weinen und sagte, seine Frau sei vor zehn Jahren tödlich in seinem Haus verunglückt. Sie war auf dem Marmorboden ausgerutscht und mit dem Kopf gegen eine Truhe gefallen. Als er sie fand, war sie bereits im Koma. Ich war so tief erschüttert und berührt von seiner Art, vor mir seine Gefühle zu zeigen, sein zerbrochenes Herz, sein Elend, seine Liebe zu seiner Frau, seine Tränen. Was hatte dieser Mann in den letzten zehn Jahren gelitten. Die meisten Männer heiraten sofort wieder, kaum ist die Frau gestorben, manche noch im selben Jahr, weil sie nicht allein sein können. Und da ist ein Mann, der in einer ganz kontrollierten Art und doch ohnmächtig und ohne Bitterkeit Gefühle gezeigt hat. Ich dachte mir, diese Welt ist nicht gut — ich traute mich nicht, mit ihm zu weinen, warum? Warum konnte ich nicht einfach alles fallenlassen und ihn umarmen?
Heute besuchte mich Florian Sitzmann, der junge Mann im Rollstuhl. Sein Buch hat mich sehr beschäftigt und berührt. Wieso höre ich jeden Tag so viel Elend? Junge Freundinnen mit Tumoren und Gallensteinen und andere mit Krebs und Flo mit zerschmetterten Beinen von einem Motorradunfall. Aber er ist eine so starke Persönlichkeit. Er war mal zwei Meter groß. Seine Hände sind schier fünfmal so groß wie meine. Auch im Rollstuhl könnte er mich zerquetschen. Sein Lächeln und seine Augen sind voller Freundschaft und Zuversicht. Nach so einer Not überhaupt so schauen zu können. Ich verstehe dennoch so viele Dinge nicht. Wie sollte ich ein Segen für ihn sein? Ich gab ihm ein Privatkonzert. Er mag meine Lieder. Er kennt Xavier und viele andere. Das finde ich spannend. Ich höre seine neue Platte, ich finde sie wirklich gut.
Freue mich auf Schweden. Das viele verschiedene Wasser um Schweden und auch um Stockholm herum mit den vielen Inseln sind, finde ich einfach köstlich. Da ist die Östersjön, sind die Mälaren. Wir besuchen Riddarholmen, Skansen, Skärgården, die Hochschule für Musik. Das Häuschen meiner Verwandtschaft liegt am Skagerack Meer, dann gibt es das Wasser am Öresund, und Umeå liegt am Bottenhavet, und auf der anderen Seite liegt das Bottniska Viken. Da oben ist dann schon wieder Norwegen.
Heute geht es Richtung Köln zum Musikertreffen. Das ist mein fünftes Mal. Es ist eigentlich schön. Natürlich ist es nicht immer leicht, loszulassen, wenn es dort Künstler gibt, die bereits um einiges weiter sind als ich. Die Musikerwelt ist manchmal eine kleine Mafia. Diesmal gestalte ich ein wenig mit Musik und Workshop.

6. Januar 2010

Das Konzert in Hohenroth bei Gemünden/ Würzburg war okay besucht, 250 Leute, davor kam meine neue CD per Paketservice an, sie sieht wunderschön aus, wie Seide, kam in einem riesigen Paket, ich habe es mit einer Freundin aufgeschnitten, fuhr dann zum Konzert, eine 25-Box ging schon direkt vor dem Konzert weg. Das Künstlerzimmer ist eine Art Kostümzimmer mit alten, schönen Theaterkleidern. Es war nicht unanstrengend, klassische Musik mit eigenen Liedern zu mischen zwischendurch. Ich hatte ein Mikrofron an meinen Rock angeklickt, das in einer Schnur nach vorne ging, und hatte als Kleidung eine Art Damenfrack gewählt, den ich in Rumänien gekauft habe. Es gefällt mir sehr, in einer Art Mantel zu spielen. Ich hatte heute 900 clicks auf myspace. Das ist nicht wenig; bin erst seit einer Woche dort aktiv.

ee69a5aa322a28300308826eb01eb060-img

5. Januar 2010

Vielleicht bin ich Mittsommer in Schweden bei meiner Tante, das habe ich noch nie erlebt, weder in Deutschland noch in Schweden. Es gibt das schwedische Spiel Brännboll und darin sogar Meisterschaften, das wäre mal ein Teamspiel für mich, da man dort nicht auf seine Hände aufpassen, sondern einfach nur schnell und rhythmisch laufen können muss. In so was bin ich gut, auch in Völkerball, aber das spielt ja leider keiner mehr, aber da gewinne ich immer mit meinem Team, keiner schafft es, mich abzuschiessen :-). Nach dem RAD treffe ich mich in Berlin mit Donata Wenders, sie macht Kunst in Fotos.

16a1b0ab0d554838ee8035b48a785b3a-img e5fa367a31bcc5ee2fbdcab2733c17da-img

4. Januar 2010

Ich schreibe nun seit fast einem Jahr diesen Blog und finde es schön, dass ich nicht gleich wieder aufgehört habe. Manchmal, wenn ich zuhause übe oder schreibe (meistens beides gleichzeitig), komme ich mir vor wie unter einer Art Glocke, einer künstlerischen Glocke, einer positiven Zauberzone, als wäre die Luft anders. Es war für mich nicht leicht, künstlerisch tätig zu sein, ohne mich eingesperrt zu fühlen. Erst wenn ich locker lassen, spüre ich, wie sich dieser Widerwille für Verantwortung, Kunst, Disziplin und auch gegen Leitung in irgendeiner Art legt. Eigentlich leite ich sehr gern. Noch immer ist es für mich emotional, meine Verwandtschaft nach 15 Jahren kennen zu lernen, manche habe ich noch nie gesehen. Und plötzlich so viel Kontakt. Da spüre ich bereits eine große Verantwortung. Überhaupt spüre ich das überall. Und wenn ich nur eine Taste berühre. Ich möchte mit meinem ganzen Leben ein Zeugnis sein. Wenn ich gegen den Widerwillen, was Leitung angeht, ankämpfe, hilft das nicht, sondern erst wenn ich mich entspanne. Niemand kann seine Berufung bekämpfen. Es ist für mich wichtig und gesund, kreativ zu sein. Es ist eine ganz andere Art, wenn man in Freiheit und Entspannung kreativ ist.

321b291791b98106da932a67a7817660-img 9215ead66f82629aae80ef4a0d05939c-img

Ich freue mich, meine Verwandtschaft in Osnabrück zu besuchen. Gabi schreibt Lyrik. Sie hat mich in ihr Literatur-Radioprogramm eingeladen. Sie kann mir viel von meiner Familie erzählen, darüber bin ich dankbar, auch wenn es nicht immer leicht ist, Dinge zu hören. Vieles macht jetzt noch mehr Sinn. Es wird wohl ein intensives ZwanzigZehn. Ich freue mich darauf, in den Osterferien die Pyramiden und Kairo zu sehen. Wir baden zuvor einige Tage im Roten Meer, da war ich schon mal, in einer anderen Ecke, in Eilat, an der israelischen Küste. Nun ist es das Rote Meer in Hurghada, Ägypten. Ich freue mich auf mein schwedisches Gesangbuch, das ich geschenkt bekommen habe.

3. Januar 2010

Die Altstadt von Fürth ist urig, vor allem im Schnee. Ich bin erstaunt, wie sehr sich Fürth gemausert hat, vor allem für mich als Nürnberger Kind. Früher war Fürth für uns nur ein kleiner Vorort von Nürnberg gewesen, aber eigentlich ist Fürth fast so groß wie Würzburg. Es war seltsam und schön, in einer verrauchten Kneipe Beethoven und Worship zu spielen und von seinem Leben zu erzählen. Es kamen immer mehr Leute dazu, vor allem, als das Stage Piano bei Chopin beinahe umfiel. Zuerst hatte ich Probleme mit dem Pedal: es funktionierte genau umgekehrt und beruhigte sich erst, als ich erst einmal den Stecker zog. Es kamen viele interessante Fragen. Aber es ist anstrengend für mich, aus meinem Leben zu erzählen, es sind für mich noch so viele Fragen offen.
Auch die Chefin der Kaffeebohne kam dazu, sie hatte an dem Tag Geburtstag. Die evangelische Allianz oder überhaupt die evangelische Landeskirche ist sehr aktiv in Fürth in Zusammenarbeit mit den Freikirchen und sogar der katholischen Kirche, ich bin begeistert, wie fit die sind, vor allem die Frauen, speziell Steffi und Sandra. Sie haben Kontakte zu den Kneipenbesitzern und möchten 20 000 Jugendliche erreichen: so viele Jugendliche sind in Fürth. Jeden Monat kommen nun Redner in die verschiedensten Kneipen, zum Beispiel in den Blauen Affen im März, da spricht der Oberbürgermeister und dann ein Polizeichef und ... über Junge Christen in Verantwortung.
Diese Woche habe ich nun noch einige Konzerte und muss vorunterrichten, da ich nächste Woche in Schweden bin.

ad7b685ecd65384e01d7e8d756182183-img

2. Januar 2010

Das Konzert ist gut gelaufen, der Moderator hielt ein Interview mit mir zwischendurch und danach. Das war nicht geplant. Und dann aber hat mir dieser kluge, ältere Herr so viele interessante Fragen gestellt, dass ich richtig Lust bekam, auf die Fragen zu antworten und ihm einmal fast das Mikrofron aus der Hand zog, weil ich zu ungeduldig wurde. Er fragte zum Beispiel, ob Musik ein Handwerk sei oder Kunst und ab wann Kunst, und ob ein Diplom und ein Magister und Master mir geholfen hätten und helfen werden oder ob diese Abschlüsse eher schädlich wären. Er nannte mich immer Juniorprofessorin, ich konnte ihn nicht davon abhalten, und da es der erste Tag des Jahres war, beschloss ich, es prophetisch zu sehen. Auf die Frage, was mein Lieblingskomponist sei, sagte ich: Bach, da er nicht in erster Linie für Menschen geschrieben hat, sondern für Gott. — Sofort hatte ich das Gefühl, es ändert sich die Atmosphäre, als ob alle bestürzt waren und über ihre eigene Beziehung zu Gott nachdenken würden. Aber beweisen kann ich diese meine Gefühle nicht. Auf jeden Fall kam ich den Menschen näher, ich habe sehr viele CDs verkauft.
Ich hatte die Sauna am nächsten Tag nach dem Konzert im Schwarzwald ganz für mich allein; man konnte auf das Dach der Anlage gehen, das ganz in Sonne und Schnee lag. Ich nahm Schnee mit in die Sauna. Der Bademeister kam extra, um nur für mich einen Aufguss zu machen. Im Schwarzwald hat es wiederum auch sehr geschneit. Ich war recht spät dran, und so vergass ich, das Auto in die Tiefgarage des Hotels zu stellen. Als ich heute losfahren wollte, waren Schnee und Regen dick angeeist, Eisstangen, Eiszapfen hingen von meinem Auto, so etwas habe ich noch nie erlebt. Zuerst sagten ein paar Jungs zu mir, sie würden das Auto für mich freikratzen. Ich dachte, ach, das werde ich wohl alleine schaffen. Als ich zwei Stunden später losfahren wollte, merkte ich, dass ich es nicht schaffen würde. Also halfen mir einige Gäste, die stark waren. In der Zeit, in der ich ein kleines Guckloch in das Seitenfenster mit Mühe gekratzt hatte, hatte einer fast die ganze Frontscheibe freigekratzt. Dazu hatte er seinen Kratzer aus dem Auto geholt, der Welten besser war als meiner, der auch gleich auseinanderbrach. Der Bademeister sagte, nun würde mein Beetle mal einen richtigen Winter erleben. Er schenkte mir einen kleinen Besen für die Schneemassen auf dem Autodach. Es war lustig, zusammen am Projekt Auto zu kratzen, während ein tief hängender, orangener Vollmond auf uns niederschien. Als ich losfuhr, begann es erneut zu schneien. Die Nachrichten sagten, man solle nicht fahren, überall 35 km Stau, man solle sich eine Übernachtung suchen. Ich wollte aber nach hause und nicht noch eine Nacht im Wellnesshotel bleiben, so schön es dort ist im verschneiten Schwarzwald mit Thermalbad und Mineralbad, mit Massage und Sauna und Wassergymnastik — aber die Strecke, die ich fuhr, war komplett frei. Ich kam super gut durch und sah vor mir stets den tief hängen orangenen riesigen Mond, der fast Adern hatte, so etwas Wunderschönes, ich dachte, ich träume, während ich durch den Winterwald fuhr. Ich kann dann nur eines denken: Wie wunderschön ist Gott. Er hat ein Auge auf mich. Im Radio lief Techno, die mich wach hielt, mit Texten über Gott! Ich fühlte mich rundum beschützt.
Ich freue mich, bald wieder nach Schweden zu fliegen, diesmal mit Gunhild im Februar, nach Stockholm für drei Tage, kurz vor meinem Geburtstag. Es gibt kaum jemanden, der diese Stadt besser kennt als sie, glaube ich. Sie hat dort promoviert. Meine Tante Mia (min moster = Tante) und meine Cousinen haben ein Sommarstuga in Falkenberg in Halland, in einem Badeort an der Westküste. Ich freue mich darauf, das zu sehen. Die meisten Schweden haben ein Sommerhäuschen irgendwo, glaube ich. Meine Tochter würde ich gern Björna nennen, die Bärin. Aber den Namen gibt es nicht. Stockholm ist so wunderschön, auch im tiefsten Winter. Der Mälaren ist ein See vor Stockholm, der eigentlich zur Ostsee dazugehört. Wenn man in Stockholm ist, denkt man, man ist in New York wegen den hohen Gebäuden und dem Meer. Ich stand am Meer, am Ufer, mitten in der Stadt im Schnee, umgeben von Inseln. Selbst Gamla Stan ist wie ein kleines Venedig, eine Insel. Die Schiffe legen an, Schwäne auf dem Wasser, Gänse in der Luft, als ich da stand, Wildgänse fliegen über Schweden, fehlt nur noch Nils Holgersson. Die Stadt ist so gut erhalten, die Gässchen und Stadtteile und Inseln und Brücken und vielen hohen Kirchen, ein pittoreskes, edles Labyrinth. Unfassbar, dass selbst Stadtteile Inseln sind!

1. Januar 2010

7b25c6bd6bdada0d84c91ebaba505db6-img

Frohes Neues Jahr 2010! Vollmond, Lichtwolken, 2010, Gedichte, Sekt-Energizer, Stille auf dem Berg, doch ich muss heute noch arbeiten, Neujahrskonzert Schwarzwald.
Der Mond-Astronaut James Erwin sagte einmal:
Es gibt etwas viel Wichtigeres als einen Menschen, der den Mond betritt —
Gott betrat diese Erde.

S p a m t r a p mail@dst.tux4web.de