z_b_auch_kinder_z_b_auch_kinder

z.B. auch Kinder


z.B. auch Kinder

Er blies: Aus seinem roten Lutscher kam ein schriller Pfeifton. Der Junge mit dem Hörgerät zuckte zusammen. Die anderen Kinder lachten. Er blies noch mal; ein paar Leute in der Straßenbahn sahen sich um, schauten. „Florian, nicht so laut!“ sagte ein Junge. „Mach weiter!“ schrie ein anderer. Florian steckte sich seinen Lutscher wieder in den Mund, zog ihn genüsslich heraus, hielt sich das Anfangsstück an seine Lippen und stieß einen langen Pfeifton aus. Der Junge mit dem Hörgerät zuckte erneut zusammen.
Er legte eine Hand auf sein rechtes Ohr und dämpfte das Pfeifen damit ab; der Ton schmerzte ihn. Aber er lächelte. Seine Zähne waren schön. „Hast du gesehen, was der macht?“ lachte ein kleines Mädchen. „Florian, los, blas noch mal!“ Der rote, glänzende Lutscher, schon ziemlich mitgenommen, wanderte wieder an die Lippen Florians. Das spitze, grelle Pfeifen füllte den Gang der Straßenbahn, besonders lange diesmal. Florian hatte bald einen ebenso roten Kopf wie sein Pfeifinstrument, da es ihn so viel Atem gekostet hatte. Der Junge mit dem Hörgerät lächelte. Der langgezogene, hohe Ton schmerzte sehr, er dämpfte ihn ab, indem er seine rechte Hand auf sein Ohr legte, aber er schämte sich auch, die anderen Kinder machten es ihm nach; also nahm er seine Hand wieder fort von seinem Ohr. Aber da war wieder der Pfeifton und der Schmerz, er musste die Hand wieder hinlegen, damit das Pfeifen leiser würde, doch die anderen Kinder lachten ihn aus und beobachteten ihn. Er nahm die Hand wieder weg, legte sie wieder hin, nahm sie wieder runter. Florian hörte auf zu blasen. „Habt ihr den gesehen? Ist der dumm“, sagte er verächtlich. „Warum macht er das?“ Der Junge mit dem Hörgerät war aufgeregt, dann konnte er sich schlecht konzentrieren und hörte nicht viel, aber er wusste, dass die anderen Kinder über und zu ihm redeten. Er lächelte schüchtern. Er verstand selbst nicht, dass hohe Töne ihm so weh taten. Aber die Kinder sollten seine Freunde werden. Florian gab ihm einen Stoß und tippte sich an die Stirn. Ein kleines Mädchen packte sein weiches Stofftier, das er an seinem Sportrucksack befestigt hatte, und schleuderte es hin und her.
Dann machte sie Anstalten, auf sein Ohr mit dem Hörgerät zu schlagen. Sie spitzte die Lippen, ballte ihre kleine Hand zur Faust, holte aus, zielte und drehte sich gerade so geschickt, dass sie sein rechtes Ohr immer wieder nur um ein paar Zentimeter verfehlte. Der Junge mit dem Hörgerät hörte nicht auf, zu lächeln. Wenn sie ihn doch nur fragen würde, warum, vielleicht könnte er ihr erklären ...
Florian fing wieder an zu blasen, und sofort begann das Spiel mit Hand-auf-das-Ohr-legen und Ohr-wieder freigeben des Jungen ihm gegenüber aufs neue. „In der Schule ist der auch immer so blöd!“ sagte das Mädchen. Die anderen Kinder begannen nun ebenfalls, ihre Hände auf ihr rechtes oder linkes Ohr zu legen. Sie lachten dabei, schleuderten ihn an seiner Schultasche herum. Das Lächeln des Jungen mit dem Hörgerät wurde immer strahlender, er lachte begeistert mit. Die Straßenbahn verlangsamte ihr Tempo und erreichte eine Haltestelle.
Das kleine Mädchen konnte es immer noch nicht lassen, so zu tun, als würde sie auf sein Ohr schlagen. Die Türen gingen auf.
Florian mit dem roten Lutscher stieg aus, die anderen Kinder drängten ihm nach. Das kleine Mädchen ging hinter dem Jungen mit dem Hörgerät und sagte: „Schaut euch den an, der lacht die ganze Zeit, obwohl er gar nicht weiß, worum es geht.“


(ISBN 3879983240)

S p a m t r a p mail@dst.tux4web.de