vertrauen

Vertrauen

Vertrauen

Genauso wie immer,
der Geruch der Matratze, der Geruch der Luft in seinem Zimmer, alles wie immer, und ich lag mit ihm, genau wie immer, wir lagen zusammen, und ich liebte ihn.
Die Matratze, sie fühlte sich rauh an und doch weich, wenn man sich hineinfallen ließ, ich wusste das; die Luft roch nach ihm, nach seinen frischgewaschenen T-Shirts über den Stuhllehnen, nach seiner Haut nach dem Duschen, nach den Wassertropfen auf seiner Haut, nach Seife und Shampoo. Die Luft stieg aus dem Teppichboden, in dem meine Füße versanken, sie umhüllte mich, die Musikboxen, den Fernseher mit seinem Geruch, umschlang alles. Ich konnte kaum mehr atmen. Sie wurde dumpf und schwer, weil sie nicht herauskonnte, sich nicht vermischen konnte mit der Luft vor den Fenstern, mit der Luft vor der Balkontür, die frei war und frisch, denn hier drin stieg sie aus dem Teppichboden und machte mich ersticken.
Alles war wie immer, und ich liebte ihn.
Sein schlafendes Gesicht, seine Lider, sein schlafender Mund, ein ungestörter, friedlicher Mund, seine schlafende Nase, sein schlafender Kopf — weg war es, erst ein paar Stunden — , und was mochte drin sein in seinem Kopf? Nichts als Schlaf? Er schlief. Aus Trauer, aus Gleichgültigkeit? Winzige Bartstoppeln — ich sah sie mir an und sah Haare, die mitten aus seinem Gesicht wuchsen. Sah Haare, die auf seiner Stirn anfingen, nach hinten zu wachsen, seine Locken still auf dem Kissen, meines war nassgeschwitzt, meine Gedanken schwer, ich drehte mich weg, konnte ihn nicht mehr ansehen.
Ich schrie laut, nein, mein Bauch schrie, stumm, ich liebe dich, schrie mein Bauch, fanatisch, hysterisch, mit unglaublicher Qual. Das Baby war weg. Ich schlug auf meinen Bauch, dass er zusammenzuckte vor Schmerz, um mich selbst zu bestrafen. Eine Welle von Übelkeit zuckte von meinem Hals zu meinem Mund, schoss bis zu meinen Gedanken, lieben, lieben tu ich, für dich, fühlte den kalten Schweiß auf meiner Stirn, seine Schulter berührte mich im Schlaf, ich zuckte zusammen.
Die Übelkeit schwoll an auf meiner Zunge, lag vor meinen Zähnen, vor meinen Lippen, es würgte mich, doch es war nur Leere, nur Schmerz aus meinem Inneren. Nichts kam heraus. Kein Laut. Keine Flüssigkeit, keine Träne.
Nur mein Bauch fühlte sich nicht leer an, alles andere war leer und schwer, meine Adern, meine Knochen, meine Seele. Denn es war weg, das Störende, das Lästige, es war für immer weg aus meinem Körper, aus meinem Bauch. Keine verbitterte Wand mehr zwischen uns, kein Streit, keine Diskussion, keinerlei verbitterte Wand mehr. Er hatte bekommen, was er wollte, und es roch in seinem Zimmer nach seiner Luft, nach seiner Haut nach dem Duschen.
Und er, nach dessen Haut die Luft roch, lag und schlief. Keine Sache war es, eine Sache von einer Stunde und weg war es, für ihn, und mein Bauch fühlte sich so voll an, als hätte ich sieben Dosen Suppe hintereinander gegessen, und er schmerzte; er schlief. Ich schmerzte ohnmächtig, und er neben mir schlief. Alles war wie immer, und ich liebte ihn. Den Duft in seinem Zimmer.
Die Luft in seinem Zimmer roch dumpf nach seinen frischgewaschenen T-Shirts über der Stuhllehne, nach seiner Haut nach dem Duschen.


(ISBN 3873542390)

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