Gedanke 34

Gedanke 34
Die Musikhochschule mit der Universität vergleichend, sind sie in mancher Hinsicht unvereinbar, zumindest was die Musik, die Kunst und die Wissenschaft angeht. Dabei wäre eine Einheit bitter vonnöten. Eigentlich ist die Universität für Menschen befriedigend, nützlich und ergänzend, die bereits künstlerisch, aktiv beschäftigt sind, darin gebadet haben. Ansonsten erscheint mir die Universität allein, ohne Außenwelt, manchmal als eine gefährliche Mischung aus Unter- und Überforderung, die einen Kopf aus Wissen groß wie ein Ballon anschwellen lässt, in dem nicht das Wichtigste drin ist, da Hände und Herz fehlen und oft nicht praktisch erlebt werden oder angemessen dazugehören. Vielleicht auf Exkursionen, die ebenfalls wieder Lehrveranstaltungen sind, nur extern, wird ein wenig was nacherlebt.
Ungünstig und etwas paradox finde ich, dass junge Menschen an der Universität oft auf der einen Seite dazu angehalten werden, sehr kritisch zu sein und alles zu hinterfragen, zu bewerten, zu vergleichen — aber natürlich nicht diejenigen Professoren, die gerade reden. Und auf der anderen Seite aber geradezu zum Schweigen erzogen, zu einer Art diplomatischen Heuchelns trainiert werden, statt tatsächlich an den Punkten wachsam und kritisch zu werden, wie sie doch lernen, zu sollen, wo sie eigentlich sollten, aber wehe kritisch gegen das, was sie gerade von oben hören. Aber da sie sonst Schwierigkeiten bekommen, schweigen sie. Das heißt, dass einem das allzu Kritische nicht gut tut und nicht hilft, seinen eigenen Weg zu gehen, weil es ohnehin nicht leicht ist, dort wachsam zu sein, wo gerade präsent Infomationen von oben kommen. Man muss genau Prioritäten abwägen, ohne zu heucheln. Manche bleiben inklusive Doktorarbeit fügsam, doch ich denke, dass dieses Verhalten und Kriechen prägend ist und selbst dann, wenn sie habilitieren oder ihnen eine Professur gelingt, nicht mehr viel Neues und Veränderndes von ihnen kommen wird; denn es ist wichtig, Ärger, Hindernisse und Steine im Weg direkt ertragen zu lernen, um Dinge zu verändern. Wann und wie sollte man es sonst später noch tun? Doch sauge ich alles Neue zufrieden und wissbegierig auf wie ein Schwamm. Wichtig ist, dass man sich eifrig und selbstständig einliest, um von den Seminaren und Vorlesungen genügend zu haben, sonst ist es langweilig und nur Schall und Rauch. Ich schätze Seminare, an denen sich alle untereinander beteiligen als von vorne monologisierende Vorlesungen. Die wichtigsten Dinge des Lebens werden nicht durch gelerntes Wissen kompensiert. Ein Mensch wird oft getäuscht von dem, was er äußerlich sieht und hört. Es schlummert bereits ein Wissen in uns, das entscheidend ist. Das darf man sich nicht zumüllen lassen.

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Für mich liegt die Kunst zwischen der realen Welt und Gott, der diese reale Welt ordnet.
(J. S. Bach, 1730)
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