Gedanke 32

Gedanke 32

Ungefähr 1 bis 2 Prozent professionelle Musiker und Künstler der Weltbevölkerung, und kaum welche davon in den Kirchen. In einer Gemeinde mit circa hundert Mitgliedern bin ich das eine Prozent. Früher wurde es dem Künstler in der Kirche vorgeworfen, in Konkurrenz zu Gott zu treten, da er kreativ war. Je genialer, desto geächteter. Heute trifft ebenfalls die Subkultur Christen auf die Subkultur Musiker.

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Washington und Basel


Improvisation

Seitdem die ‚Gesetzestreue‘ der in Noten aufgeschriebenen Werke immer größere Ausmaße angenommen hat, ist die Improvisation (in der klassischen Musik) immer mehr verkümmert. Doch im 18. und 19. Jahrhundert bereits war die Improvisation ein großer Teil des künstlerischen Lebens. Sie diente nicht zum Selbstzweck, sondern: Stimmung, Empfinden, Atmosphäre auszudrücken — besonders in den Opernhäusern. Die Bedeutung des Textes, die Bedeutung der Worte wurde durch Fülle von Noten ausgestattet, Momente herausgehoben — es war sogar so: ein Sänger wurde umso besser empfunden, desto weniger genau er sang, was da stand. Das ist nun heute gerade umgekehrt, was schade ist.
Früher war die Oper im besten Sinne ein Spektakel, die Improvisation öffnete musikalische Räume, unmittelbar auszudrücken, was der Künstler und Sänger auf der Bühne in diesem Moment weitergeben wollte. Aus sich herausströmen zu lassen, was das Künstlerischste ist: den Moment. Den zeitlosen Moment. Heute ist es sogar in den Kirchen kaum erlaubt, frei zu spielen, denn dazu braucht es Künstler, die wissen, wie es geht, die eine Sehnsucht haben, den Moment und nichts anderes, die Ewigkeit, den Moment und damit Gott sprechen zu lassen.

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Höxter
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