Gedanke 14

Gedanke 14

Ein Herz scheint gefestigt zu sein, wenn es Schmerzen ertragen kann, ohne sich Erleichterung dadurch zu verschaffen, bei anderen Menschen Inventur zu machen, sondern trotz dem Unrecht anderer in Schmerzen bei sich anzufangen.

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Brühl

Es gibt es keine bekenntnislose Musik. Man sollte sich da nicht täuschen lassen, denn Kunst ist nur ein anderes Wort für Sprache und damit stets Bekenntnis und Ausdruck. Musik ist Text. Auch die Instrumentalmusik ist Text. So sehr sich teilweise die Musik um und nach 1945, wahrscheinlich aus Schock und Frustration, gegen das Bekennen in der Musik gewehrt hatte, desto dogmatischer wurde die Ideologie oder der Terror der seriellen, determinierten Musik. Sie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass aber auch sie suchend, im Nebel, hilflos, synthetisch, vorübergehend, verwirrt ist, durchorganisiert und doch am Rande des Chaos, des Wahnsinns — und damit ein Archiv von Bekenntnissen. Dieser Musik steckt der Schrecken in den Knochen. Ihre Sinnlosigkeit ist auch Bekenntnis. Zeit ist Bekenntnis. Eine Epoche ist Bekenntnis. In der Musik nach 1945 und noch lange danach, bis 1960 und darüber hinaus, zeigt sich eine Verwirrung, ein Zynismus, ein kalter Schrei, beschädigtes Selbstbewusstsein einer besiegten, beschuldigten Nation — haben geradezu den Schock oder das Kriegs- und Wertetrauma als Bekenntnis. Musik ist stets Bekenntnis, wenn und da sie Kunst ist, dagegen kann sich selbst ein sich gegen Bekenntnis wehrender Komponist nicht wehren. Denn gerade sich Wehren, sich Sträuben ist ein Bekenntnis. Kunst ist Sprache — sind nicht nur Laute und Geräusche oder Klänge oder Ideen oder Experimente. Eine Sprache macht immer Sinn und Aussage. Es ist erstaunlich, dass Deutschland auch nach seiner Zerstörung bezüglich Musik weiterhin eine so große Rolle spielte.

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Calvi, Korsika
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