improkonzertpadagogik

Improkonzertpädagogik

Improvisationskonzertpädagogik

In der Improvisationskonzertpädagogik geht es nicht um die Angst oder die Sorge von Opernhäusern, Agenturen, Konzerthäusern, Orchestern, Veranstaltern, die dringend nach Publikum verlangen, da sie spät aufgewacht sind, zu wenig interessiert, um zu merken, dass junge Menschen weggeblieben sind. Dort dreht es sich in erster Linie um das Finanzielle: Früher war Elite kein Problem gewesen. Musikvermittlung ist nicht Mittel zum Zweck; ist auch nicht nur Kinder- Konzertpädagogik, um in erster Linie Publikumsschwund zu reduzieren und neue pädagogische Modebegriffen praktisch auszuprobieren, nach dem Motto, Pädagogik ist Mode geworden. Oder gar, Pädagogik als das Gegenteil von Kunst und Konzert. Da es in einem Konzert immer um eine musikalische Botschaft, um eine wirkliche Botschaft geht, und weil das Publikum Konzerte genießen wollen, ist instrumentale Improvisation besonders wertvoll, da es sich stets um persönliche, neue, spontane Musik handelt, die die Persönlichkeit des Künstlers zeigt. Wie so oft wird vieles Neue erst einmal angegriffen. Zu Bachs und Mozarts Seiten war Klavierimprovisation etwas Normales, und auch diese wurden dafür, dass sie ihrer Zeit weit voraus waren, angegriffen für ihre improvisatorischen Fähigkeiten. Bachs Musik war für seine Zeitgenossen viel zu dissonant. Also werden auch neue Improvisationen heutzutage, die eigentlich auch unter den Bereich Neue Musik fallen sollten, egal, was für einen Stil ein Künstler schafft oder ein Musiker wählt, eventuell angegriffen werden. Es gibt zu viele Konzerte, die kaum eine Botschaft haben, eigentlich nur Vorspiele sind, bei denen es mehr um die Spielenden als um eine Botschaft nach draußen geht. Um über Konzertpädagogik nachdenken zu können und Improvisation als wichtigen Bestandteil hierbei zu sehen, muss man erst einmal klären, was ein Konzert ist, was der Sinn eines Konzertes ist. Es geht sicherlich auch um Unterhaltung: dem Publikum etwas zu bieten, es mitzureißen — aber nicht in erster Linie. Hat der Künstler und die Musik eine Botschaft, wird diese sich mitteilen; und je besser die Botschaft vermittelt wird durch die Persönlichkeit des Künstlers, desto besser für die Zuhörer.
Improvisation hat eine Botschaft, die für diesen Moment gedacht, so nicht reproduzierbar ist, stets eine spontane, persönliche, gegenwarts- und zukunfts- orientierte Botschaft trägt – ob man diese nun mag oder nicht, ob man dies nun prophetisch nennt oder nicht – und von daher ist Improvisation bereits eine Musikvermittlung im richtigen Sinne und dient bereits als Träger, da das Publikum auf jeden Fall an der Persönlichkeit des Künstlers interessiert ist, nicht nur an seinem Können. Die Gaben eines Künstlers weisen auf seine Persönlichkeit, dennoch ist es unbefriedigend, vor allem für junge Leute, wenn ein Künstler spielt und geht und man eigentlich mit einer Art Leere zurückgelassen wird, da keine Botschaft hinterlassen wurde. Gerade im professionellen Musikbereich der (klassischen) Musik ist diese Leere eine große Gefahr. Keine Pädagogik der Welt wird die Leere einer versteckten Künstler- Persönlichkeit füllen oder ersetzen.
Es bedeutet also nicht, dass jedes Konzert eine Einführung braucht, eine Erklärung, eine Art Vorspiel — nicht nur im Sinne von Vorspiel wie oben, sondern im Sinne eines Vorspiels, bis es zum Eigentlichen kommt, sonst würde man die Kunst unterschätzen, sie bräuchte immer ein Reden, eine Erklärung, ein Abholen des Publikums, eine pädagogische Krücke. Musik ist selbst bereits pädagogisch und therapeutisch. Ist der interpretierende Künstler ein Künstler und Musiker mit Persönlichkeit, Herz und Botschaft und nicht nur ein Interpret, wird sich, wenn das geschieht, was oben mit der Verschmelzung beschrieben wurde, vollziehen: das Publikum wird berührt und mitgerissen werden und das Einzigartige erleben. Es gibt genügend Beispiele hierzu aus der internationalen Kunst- und Musikwelt. Der Künstler betritt die Bühne, sagt vielleicht kein Wort, und die Botschaft steht sofort, für Geübte und Ungeübte, mitten im Raum oder im Saal. Ist Improvisation dabei im Spiel, wird dies stets leichter fallen, Botschaft und Persönlichkeit zu transportieren. Improvisation ist ein Transportmittel und Mangelware geworden. Es geht bei der Vermittlung auch nicht darum, jedes Geheimnis der Musik durch Erklärungen aus dem Weg zu schaffen. Dies ist nicht möglich und auch kein Ziel. Improvisation ist nicht nur im Jazzbereich anwesend, nein, sie ist für die Allerkleinsten eine Tür zur Musik, zu ihrer eigenen Welt, für Liederschreiber, im Pop-Bereich, für Klassiker, für Komponisten, für Musiklaien und Musikliebhaber, für Studenten, für jeden greifbar und somit in jedes Konzert integrierbar, jedes Konzert bereichernd, ergänzend.

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