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Goldberg

Symbolische Interpretation

Bachs Goldberg Variationen sind ein Mysterium, ein Geheimnis bis heute. Die Aria und ihre Variationen besitzen enormen Symbolgehalt und transportieren eine feine, unsichtbare, zärtliche Botschaft. Dabei ist die Aria schon eine Welt für sich. Haben seine drei Hauptmotivationen: sein Glaube, sein Wunsch, „das Gemüt der Menschen zu ergötzen", sein musikalisches Erbe bis auf das Äußerste zu entfalten, einen Einfluss auf die Interpretation, auf den Klang des Werkes? Es ist eine nachdenkliche Frage, warum Bach dieses große Variationswerk, das zunächst einfach Aria mit 30 Veränderungen hieß, geschrieben hat. Es ist davon auszugehen, dass dieses Variationswerk in G-Dur eine besondere und bedeutsame Stellung in der Klavierübung innehat und auch sicher nicht zufällig in G-Dur steht, sondern den Höhepunkt der Klavierübung darstellt, auf den alles Vorherige hinausläuft.
Dass es Bach wichtig war, mit seinen Werken „Das Gemüt zu ergötzen", das bedeutet, Menschen zu berühren und zu ermutigen, also kein trockenes, architektonisches Spitzenwerk zu schreiben, kein Auftragswerk — ist wohl eine seiner Hauptmotivationen gewesen — dazu seine außergewöhnlichen Gaben, sein schweres Erbe seiner Familie treu und pflichtbewusst zu entfalten und seinem Glauben Ausdruck zu verleihen. Es ist unumstritten, dass diese drei Motivationen ausschlaggebend waren für sein Werk, besonders für die Goldberg-Variationen. Keller schreibt, es sei merkwürdig, dass Bach Liedvariationen außer Choralpartiten nie geschrieben, kaum weltliche Lied- und Tanzvariationen komponiert habe. Dies ist nicht merkwürdig, wenn man bedenkt, dass es seine Motivation war, die Liebhaber zu ergötzen, die Liebhaber der Musik, Liebhaber Gottes. Seine Art zu ergötzen war nicht, allgemein Fröhlichkeit zu erzeugen, sondern sie war eine Frage von geistlicher Tiefe, eine der Hauptaspekte seines geheimnisvollen, symbolischen, künstlerischen Schaffens. Seine große Variationskunst in den Goldberg Variationen ist ein einmaliger Wegweiser, selbst in seinem eigenen großen Gesamtwerk.
Die Aria im Notenbuch der Anna Magdalena ohne Titel mag ein Handstück sein, eine verzierte Sarabande von vollkommen regelmäßigem Bau, doch im Kontext der Variationen wird aus dieser Aria ein Klangstück, kein Handstück.
Die Urlinie des ostinaten Bass, meist ausschließlich aus den Melodietönen des Themas bestehend, hält das Kompendium von symbolischen Klangstücken zusammen, die Gerüststimme der Verschränkungen und Gegenstimmen, die Variationen des Urthemas. Das Thema in seiner Innigkeit rundet das Werk ab, kreiert die Wiederherstellung, die dennoch umgedeutet ist, verwandelt, nicht mehr dasselbe Thema und doch dasselbe Thema. Und doch eine andere Botschaft. Es wird eine neue Form geboren, die Aria, das Urthema in eine neue Form übersetzt. Eine Wiederholung in dem Sinne gibt es nicht.
Da der Flügel durch seine dynamischen Möglichkeiten dem Symbolgehalt dieses Werkes durch Klang und Ton interpretatorisch gerecht wird, dieser geheimnisvollen Beziehung zwischen Thema und Variationen, ist es wichtig, sich über die wegweisende Stellung des Werkes in Bachs Gesamtwerk und in seiner Klavierübung Gedanken zu machen.

(Studien zu Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen: ISBN 9783842813458)

Bach Goldberg Variationen:

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